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Nordrhein
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Neues Aktionsbündnis fordert Politik zum Handeln auf

Vertreter der Apotheker- und Ärzteschaft sowie der medizinischen Fachberufe haben in Nordrhein das sogenannte »Aktionsbündnis Patientenversorgung« gegründet und fordern konsequentes Handeln seitens der Politik, damit die ambulante Versorgung sichergestellt werden kann.
AutorKontaktMelanie Höhn
Datum 29.08.2023  10:45 Uhr

Das neu gegründete Bündnis, bestehend aus dem Apothekerverband Nordrhein (AVNR), dem Hausärzteverband Nordrhein und dem Landesverband West des Verbandes medizinischer Fachberufe, will sich für eine nachhaltige Sicherstellung und Verbesserung ambulanten Versorgung einsetzen. 

In einer älter werdenden Gesellschaft mit erhöhtem Versorgungs- und Betreuungsbedarf müsse die Sicherstellung der flächendeckenden medizinischen, pharmazeutischen und pflegerischen Versorgung für alle Patientinnen und Patienten vor Ort oberstes Ziel sein, heißt es in einer Mitteilung des AVNR. 

Fünf Forderungen an die Politik

Angesichts eines eklatanten und medial in den letzten Tagen nochmals breitenwirksam zur Geltung gekommenen Fachkräftemangels, überbordender Bürokratie, Unterfinanzierung und mangelnder Stärkung durch die Politik sei die ambulante, regionale und lokale Gesundheitsversorgung massiv gefährdet. Vor diesem Hintergrund fordert das Bündnis, dass die nachfolgenden Probleme »endlich ernst genommen werden und die Politik entschieden handeln und konsequent gegensteuern muss«:

  • Stetig sinkende Patientenbetreuungszeiten: Der medizinische, pharmazeutische und pflegerische Standard könne gerade noch eingehalten werden. Apothekerinnen und Apotheker, Ärztinnen und Ärzte sowie Pflegekräfte arbeiten an der obersten Belastungsgrenze und darüber hinaus. Immer weniger medizinische, pharmazeutische und pflegende Fachkräfte müssen immer mehr Patienten versorgen und haben dafür immer weniger Zeit zur Verfügung. 
  • Erhöhter Versorgungs- und Personalbedarf: Steigende Patientenzahlen bedeuten erhöhten Versorgungs- und Personalbedarf. Outsourcing und Zeitarbeit könne dabei den Bedarf an medizinisch-pflegerischen Dienstleistungen dauerhaft weder quantitativ und noch qualitativ lösen. Was betriebswirtschaftlich teilweise erfolgreich scheine, sei für Mitarbeitende und Patienten nicht sinnvoll. Worauf es stattdessen entscheidend ankomme, sei die Sicherung von qualifizierten und engagierten medizinischen, pflegerischen und pharmazeutischen Nachwuchskräften. Das funktioniere nur durch politische Stärkung der ambulanten Versorgung. Dazu benötigen gerade in diesen schwierigen Zeiten die dienstleistenden, vorhandenen Akteure endlich Planungssicherheit und uneingeschränkte Unterstützung durch die Politik.
  • Eklatanter Fachkräftemangel: Nicht nur die medizinischen, pharmazeutischen und pflegerischen Berufe würden unter einer eklatanten Mangelsituation leiden. Sie seien offenbar auch immer weniger attraktiv bei der Berufswahl der jüngeren Bürgerinnen und Bürger. Damit Nachwuchswerbung überzeugen könne, sei eine stärkere politische Anerkennung und Honorierung der medizinischen, pharmazeutischen und pflegerischen Berufe unverzichtbar. Diese Forderung müsse leider immer wieder neu gestellt werden.
  • Überbordende Bürokratie: Die Bürokratie habe in allen Bereichen der medizinischen, pharmazeutischen und pflegerischen Versorgung ein unzumutbares Ausmaß erreicht - dieses binde Zeit, führe zunehmend zu Abstimmungsschwierigkeiten zwischen den verschiedenen Gesundheitsversorgern und verschlechtere somit die Patientenversorgung.
  • Digitalisierung müsse entlasten und dürfe nicht belasten: Digitalisierung dürfe im Gesundheitswesen kein Selbstzweck sein und müsse vor allem auch in die Arbeitsabläufe («Workflow«) der verantwortlichen Akteure für eine optimale Patientenversorgung passen. Sie sei nur dann sinnvoll, wenn sie auf einem gesicherten Datenschutzniveau technisch zuverlässig laufe und einen dienenden Charakter zum Nutzen aller habe – und auch für möglichst viele Patientinnen und Patienten gut und barrierefrei nutzbar sei.

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