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Leitlinie überarbeitet
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Neuer Diagnose-Algorithmus für Typ-2-Diabetes

Die Nationale Versorgungsleitlinie Typ-2-Diabetes wurde überarbeitet. Personen mit erhöhtem Diabetesrisiko, nicht aber der Allgemeinbevölkerung wird ein Screening empfohlen. Welche Untersuchungen dann folgen sollen, wurde präzisiert. An den medikamentösen Therapieempfehlungen hat sich dagegen nichts geändert.
AutorKontaktDaniela Hüttemann
Datum 05.07.2023  18:00 Uhr

Die Nationale Versorgungsleitlinie (NVL) Typ-2-Diabetes erschien kürzlich in zum Teil überarbeiteter Form. Demnach soll nun allen Personen mit erhöhtem Diabetes-Risiko eine Untersuchung auf das Vorliegen der Stoffwechselerkrankung angeboten werden. Ein Screening der Allgemeinbevölkerung über die derzeitigen Empfehlungen hinaus ist dagegen laut Leitlinien-Team nicht erforderlich.

Zur Abschätzung des Diabetes-Risikos stehen für die Hausarztpraxis zwei evaluierte Instrumente zur Verfügung: der Deutsche Diabetes-Risiko-Score (DRS) und der Gesundheitscheck FINDRISK. Letzterer kann beispielsweise vom Patienten selbst auch auf der Website der Deutschen Diabetes-Stiftung durchgeführt werden. Abgefragt werden Alter, Diabetes in der Verwandtschaft, Taillenumfang und Body-Mass-Index, tägliche Aktivität, täglicher Verzehr von Obst, Gemüse und dunklem Brot, die Einnahme von Antihypertensiva sowie zu hohe Blutzuckerwerte in der Vergangenheit.

Neu in der NVL ist der Diagnose-Algorithmus. Lassen typische Symptome oder assoziierte Erkrankungen das Vorliegen eines Typ-2-Diabetes vermuten, müssen mindestens zwei Werte aus verschiedenen Messverfahren bestimmt werden: die Nüchtern-Plasma-Glucose (NPG), der HbA1c und gegebenenfalls die Gelegenheits-Plasma-Glucose (GPG). Zwei Werte im pathologischen Bereich sichern die Diagnose. Bei widersprüchlichen Ergebnissen oder Werten im Bereich des erhöhten Risikos soll ein dritter Wert ermittelt werden, gegebenenfalls durch einen oralen Glucose-Toleranz-Test (OGTT).

Laborwerte im Bereich NPG 100 beziehungsweise 110 bis 125 mg/dl und HbA1c 5,7 bis < 6,5 Prozent sind mit einem erhöhten Risiko für Diabetes, Mikro- und Makroangiopathie verbunden. Die einzelnen Laborkriterien werden in der Leitlinie ausführlich dargestellt. 

»Die Diagnoseparameter lassen nur eine Aussage zum aktuellen Zeitpunkt zu«, warnt die Leitlinie. Insbesondere bei Ergebnissen im Grenzbereich sei es daher sinnvoll, die Diagnose Typ-2-Diabetes im weiteren Verlauf zu überprüfen.

Typ-2-Diabetiker sollten dann regelmäßig auf Folge- und Begleiterkrankungen untersucht werden. Liegen solche bislang nicht vor, gelten folgende Empfehlungen (sonst zum Teil engmaschiger):

  • Fußläsionen: wenn bislang noch keine diabetische sensomotorische Polyneuropathie (DSPN) oder periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK) vorliegt, mindestens einmal jährlich; mit DSPN und/oder pAVK alle drei bis sechs Monate
  • Neuropathie: risikoadaptiert alle ein bis zwei Jahre
  • Nephropathie: einmal jährlich
  • Retinopathie: bei bekanntem geringen Risiko alle zwei Jahre, sonst jährlich
  • Depressive Störungen und andere psychische Komorbiditäten: einmal jährlich oder anlassbezogen
  • Abschätzung kardiovaskuläres Risiko: einmal jährlich oder anlassbezogen

Die Empfehlungen zu nicht medikamentösen Maßnahmen, die die Grundlage der Therapie bilden, werden derzeit überarbeitet. Das Kapitel zur medikamentösen Therapie wurde bereits überprüft und die derzeit gültigen Empfehlungen wurden bestätigt. Ohne kardiovaskuläres Risiko wird zunächst eine Monotherapie mit Metformin empfohlen. Liegt eine klinisch relevante Herz-Kreislauf-Erkrankung vor, kommt eine Kombination aus Metformin plus SGLT-2-Hemmer oder GLP-1-Rezeptoragonist infrage. Kommen weitere Wirkstoffe hinzu, erfolgt die Auswahl individuell. Apotheken sollen laut NVL bei Polymedikation unterstützen, zum Beispiel durch Medikationsanalyse und Medikationsmanagement. 

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