| Daniela Hüttemann |
| 17.03.2026 15:30 Uhr |
Aβ-Fibrillen zu »entknoten«, ist das Ziel des neuen Wirkstoffs. / © Getty Images/Ildar Abulkhanov
Die Suche nach wirksamen, sicheren Alzheimer-Medikamenten geht weiter: In einer Phase-II-Studie wird derzeit die Sicherheit und Effektivität der oral verfügbaren Substanz PRI-002 der Düsseldorfer Biotech-Firma Priavoid getestet (NCT06182085). An der Studie nehmen Patienten mit milder kognitiver Beeinträchtigung (MCI) oder milder Demenz aufgrund der Alzheimer-Erkrankung teil. Aktuell sind 304 Teilnehmende im Alter von 55 bis 80 Jahre eingeschrieben. Die Studie läuft in mehreren europäischen Ländern, darunter auch neun deutsche Universitätszentren.
In der randomisierten, doppelblinden, placebokontrollierten Proof-of-Concept-Studie namens PRImus-AD erhält ein Teil von ihnen den Wirkstoff mit dem Kürzel PRI-002 (auch Contraloid genannt) in zwei verschiedenen Dosen, jeweils drei Kapseln täglich morgens und abends. Chemisch betrachtet handelt es sich um ein kleines Peptid bestehend aus zwölf D-Aminosäuren.
PRI-002 greift laut Priavoid anders als die zugelassenen anti-Aβ-Antikörpern bereits früher in den neurotoxischen Aggregationsprozess ein: Das Molekül ziele nicht auf die statischen, unlöslichen Aβ-Fibrillen ab, sondern auf lösliche Aβ-Oligomere, die als besonders neurotoxisch gelten. Es zerlege Aβ-Oligomere mit prionenähnlichem Verhalten in nicht toxische Aβ-Monomereinheiten, heißt es in der Studienbeschreibung. Im Gegensatz zu den Antikörpern Lecanemab und Donanemab geschieht dies ohne das Hervorrufen einer Reaktion des Immunsystems, was wiederum zu möglichen schweren Nebenwirkungen wie ARIA (Amyloid-related Imaging Abnormalities) führen kann.
Priavoid hat nun Interimsdaten seiner Phase-II-Studie bei einem Alzheimer-Kongress in Kopenhagen vorgestellt. Sie umfassen Daten der ersten 90 Teilnehmenden über 24 Behandlungswochen. Darin traten ARIA-Ereignisse genauso selten auf wie in den Placebogruppen der Phase-III-Studien der Aβ-gerichteten Antikörper, berichtet das Unternehmen. Diesbezügliche Behandlungen waren nicht nötig.
Die Rate für ARIA-E (Ödeme) betrug 2,2 Prozent und für ARIA-H (Hämorrhagien) betrug 6,7 Prozent. In den Phase-III-Studien von Donanemab und Lecanemab lagen diese Raten allein in den Placebogruppen bei 1,9 beziehungsweise 1,7 Prozent für ARIA-E und 7,4 beziehungsweise 9,0 Prozent für ARIA-H. In der Donanemab-Verumgruppe waren es dagegen 24,0 Prozent für ARIA-E und 19,7 Prozent für ARIA-H; unter Lecanemab-Therapie 12,6 und 17,3 Prozent.
»Nach einer offenen Überprüfung der relevanten Sicherheitsdaten empfahl das unabhängige Gremium für Arzneimittelsicherheit und -überwachung (DSMB) die Fortsetzung der PRImus-AD-Studie ohne weitere Überwachung auf ARIA«, teilte Priavoid mit. Das Unternehmen will die klinische Entwicklung weiter vorantreiben. Es arbeitet an weiteren D-Peptiden, um neurotoxische Oligomere abzubauen, sogenannte nicht immunogene »Detangler« für eine krankheitsmodifizierende Therapie neurodegenerativer Erkrankungen.
Zur Wirksamkeit von PRI-002 machte die Firma noch keine Angaben. Die aktive Phase der Studie läuft laut Register noch bis Ende April 2026.