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Reaktion auf Reformpläne
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Nach Warken-Auftritt: Apotheken geben auf

Weil im Koalitionsvertrag die Anpassung des Honorars mit einem konkreten Eurobetrag festgeschrieben ist, hatten viele Apothekerinnen und Apotheker damit gerechnet. Anscheinend haben einige sogar die aktuellen Reformpläne zum Anlass genommen, den Betrieb aufzugeben.
AutorAlexander Müller
Datum 11.11.2025  15:00 Uhr

Der Abwärtstrend setzt sich fort: Im dritten Quartal haben 71 Apotheken geschlossen, seit Jahresbeginn sind es 309 Apotheken weniger und damit ein neuer Tiefstand von 16.732 Apotheken erreicht.

Im Kammerbezirk Westfalen-Lippe gibt es unter dem Strich 22 Apotheken weniger – 27 Schließungen stehen nur fünf Neueröffnungen gegenüber. Ende September waren es noch 1.632 Apotheken.

Und offenbar hatte der Auftritt von Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) beim Deutschen Apothekertag (DAT) unmittelbare Konsequenzen. In Düsseldorf hat sie erstmals die Eckpunkte ihrer Reform vorgestellt und dabei verkündet, dass die im Koalitionsvertrag angekündigte Erhöhung des Fixums von 8,35 auf 9,50 Euro nicht sofort kommt, sondern im neuen Jahr »auf Wiedervorlage« sein werde.

»In den 14 Tagen nach dem DAT sind bei uns zehn Schließungen angemeldet worden, so viele wie sonst in einem Zeitraum von drei bis vier Monaten«, berichtet Gabriele von Elsenau Overwiening, Präsidentin der Apothekerkammer Westfalen-Lippe (AKWL).

Einzelne Mitglieder hätten ihre Betriebe sogar direkt zum 30. September geschlossen, so von Elsenau Overwiening. »Die Inhaber haben uns gesagt, sie hätten noch gehofft und gebangt, dass das Fixum doch noch angepasst wird, könnten aber jetzt nicht länger darauf warten«, so die AKWL-Präsidentin.

Mehr Schließungen zum Jahresende

Und weitere Apotheken würden zum Jahresende vom Netz gehen. »Stand heute werden wir mindestens 15 weitere Apotheken verlieren. Dazu kommen fünf weitere für das 1. Quartal 2026 angemeldete Schließungen«, so Schmitz.

Auch bei der ABDA rechnet man mit einem Anhalten des Abwärtstrends: In den ersten neun Monaten standen 355 Schließungen nur 46 Neueröffnungen gegenüber. Im dritten Quartal hat sich die Dynamik zwar etwas abgeschwächt, erfahrungsgemäß nehmen die Schließungen im letzten Quartal aber deutlich zu.

»Mit jeder geschlossenen Apotheke wird der Weg zum Arzneimittel für die Menschen schwieriger«, kommentierte ABDA-Präsident Thomas Preis, der allein die Politik als Verursacherin ausmachte. Die Apotheker erinnern die Regierung bei jeder Gelegenheit daran, sich an den eigenen Koalitionsvertrag zu halten, zuletzt in der umfangreichen Stellungnahme zum Apothekenversorgung-Weiterentwicklungsgesetz (ApoVWG).

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