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Übersichtsarbeit
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Muskelrelaxanzien eher nicht bei chronischem Schmerz

In den USA weichen Ärzte zur Behandlung chronischer Schmerzen angesichts der Opioid-Krise zunehmend auch auf Muskelrelaxanzien aus. Eine systematische Übersichtsarbeit zeigt aber nun: Mit wenigen Ausnahmen haben die Patienten eher nichts davon.
AutorKontaktAnnette Rößler
Datum 22.10.2024  11:00 Uhr

Wirkung vermutlich noch überschätzt

In der Diskussion weist das Autorenteam darauf hin, dass die Ergebnisse wegen der vergleichsweise kurzen Interventionsdauern sogar noch eine Überschätzung der Wirksamkeit darstellen dürften, da die Effektivität vieler Schmerzmittel mit der Zeit nachlasse. Die Nebenwirkungsraten seien dagegen wahrscheinlich eher unterschätzt worden, da einige unerwünschte Wirkungen – darunter eine missbräuchliche Anwendung der Medikamente – erst mit der Zeit häufiger würden. Ein potenzieller Missbrauch sei in keiner Studie erfasst worden.

Zudem kritisieren die Forschenden den Vergleich mit Placebo beziehungsweise historischen Kontrollen, da für die jeweiligen Erkrankungen durchaus wirksame Therapiealternativen vorhanden seien. Dies sei etwa Bewegung bei chronischen Rückenschmerzen und Fibromyalgie, in der letztgenannten Indikation aber auch Trizyklika und Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (SNRI).

Da die Wirksamkeit von Muskelrelaxanzien bei chronischen Schmerzen mit Ausnahme von Muskelspasmen, Trigeminusneuralgie und Nackenschmerzen begrenzt sei, sollten Ärzte daher verstärkt auf ein kontrolliertes Absetzen der Medikamente hinwirken. Das gelte vor allem bei älteren Patienten, da diese besonders anfällig für Nebenwirkungen seien.

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