| Barbara Döring |
| 27.03.2026 07:00 Uhr |
Fehleranfällig: Beim Multitasking reichen kleine Störungen, um aus dem Takt zu kommen. / © Adobe Stock/nimito
Wer glaubt, er wäre ein Meister im Multitasking, weil er lange genug darin geübt ist, dem nimmt eine aktuelle Studie den Wind aus den Segeln. Mit langem Training lässt sich das parallele Handeln zwar verbessern. Doch schon kleinste Abweichungen von der erlernten Routine bringen das System ins Wanken, wie Forschende der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU), der FernUniversität Hagen und der Hamburg Medical School belegen.
Für die im »Quarterly Journal of Experimental Psychology« erschienene Studie untersuchten sie, wie Menschen zwei Aufgaben gleichzeitig bewältigen, die unterschiedliche Sinne ansprechen. Dafür sollten sie mit der rechten Hand die Größe eines kurz eingeblendeten Kreises anzeigen und parallel bewerten, ob ein eingespielter Ton hoch, mittel oder tief ist. Die Forschenden ermittelten, wie schnell die Probanden die Aufgaben lösten und wie viele Fehler ihnen dabei unterliefen.
Bis zu zwölf Tage hintereinander absolvierten die Teilnehmenden die Versuche, wobei es ihnen mit der Zeit immer besser gelang, beide Aufgaben fehlerfrei zu lösen. Das zeigten bereits frühere Untersuchungen, weshalb es lange als gesetzt galt, dass sich Leistungseinbußen beim Lösen von Doppelaufgaben durch viel Übung fast völlig vermeiden lassen. Dieses als »Virtually Perfect Time Sharing« bekannte Phänomen galt lange als Beweis, das menschliche Gehirn sei grenzenlos zu Multitasking fähig.
Die Ergebnisse der aktuellen Studie widersprechen dem deutlich, wie der Psychologe Professor Dr. Torsten Schubert von der MLU betont. Demnach laufen die kognitiven Prozesse nicht vollständig parallel ab und schon kleinste Veränderungen an den Aufgaben ließen die Fehlerquote steigen und die Schnelligkeit der Teilnehmenden zur Aufgabenlösung sinken. Das menschliche Gehirn sei sehr geschickt darin, Prozesse hintereinander zu reihen, so Schubert. In herausfordernden Situationen würde der kognitive Apparat jedoch ermüden und sehr schnell fehleranfällig.
»Unsere Ergebnisse zeigen, warum Multitasking im Alltag trotz Routine oft riskant sein kann, zum Beispiel beim Autofahren und gleichzeitigen Telefonieren«, sagt Schubert. Das sei auch für Berufe mit komplexen Tätigkeiten relevant, bei denen Menschen mehrere Aufgaben parallel erledigt müssten.