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Mentale Stärke fördern
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Mindset beeinflusst Impfwirkung

Wer Impfungen gegenüber positiv eingestellt ist und körperliche Reaktionen darauf als wirksam einordnet, erlebt seltener Nebenwirkungen. Forschende sehen in der inneren Haltung ein unterschätztes Potenzial.
AutorKontaktJennifer Evans
Datum 16.03.2026  07:00 Uhr

Unser Denken beeinflusst den Körper und seine Reaktionen. Dass die Einstellung zur Impfung sogar deren Wirkung mitbestimmen kann, dürfte viele nicht überraschen, sagt der Sozialpsychologe und Hauptautor Dr. Darwin A. Guevarra, Assistenzprofessor an der Universität Miami. Das Gehirn sei schließlich mit jedem physiologischen System im Körper verbunden. Studien zu Placeboeffekten und zur Psychoneuroimmunologie zeigen laut dem Forschungsteam seit Langem, wie stark Erwartungen und Überzeugungen wirken. Das Immunsystem bildet dabei offenbar keine Ausnahme.

Die im Fachjournal »Brain, Behavior, & Immunity – Health« veröffentlichte Studie zeigt: Eine positive Grundhaltung senkt die Angst am Impftag. Und Menschen, die weniger an der Wirksamkeit des Impfstoffs zweifeln, berichten später auch weniger von Nebenwirkungen. Selbst ein halbes Jahr nach der Impfung ließ sich bei ihnen anhand eines höheren Antikörperspiegels eine stärkere Immunreaktion nachweisen – vorausgesetzt, sie wussten zuvor, dass Symptome wie Übelkeit oder Muskel- und Kopfschmerzen Zeichen einer aktiven Immunantwort sein können.

Information ändert Einstellung

Für die Untersuchung begleiteten die Forschenden mehr als 530 gesunde Erwachsene, die erstmals einen der drei Covid-19-Impfstoffe von Moderna, Janssen/Johnson & Johnson oder Pfizer/Biontech erhielten. Sie bewerteten die Antikörperreaktion vor dem Piks sowie einen Monat und ein halbes Jahr danach. Nebenwirkungen und affektive Reaktionen der Teilnehmenden dokumentierten sie sechs Tage lang täglich, beginnend am Tag der Impfung.

Nach Ansicht des Autorenteams sprechen die Ergebnisse dafür, innere Einstellungen stärker in die Impfkommunikation einzubeziehen. »Mindsets können beeinflussen, wie Menschen gesundheitsrelevante Situationen und Ergebnisse interpretieren und erleben«, schreiben sie.

Weil Einstellungen veränderbar sind und Impfskepsis abbauen können, halten die Forschenden diesen Ansatz für vielversprechend – auch vor dem Hintergrund, dass schwere Nebenwirkungen von Covid-19-Impfstoffen bei älteren Erwachsenen mit depressiven Symptomen assoziiert sind. Kurze Informationsformate könnten zudem impfbezogene Sorgen bereits im Vorfeld reduzieren und so die gesamte Impferfahrung verbessern.

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