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Apothekenpersonal
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Mentale Gesundheit in Gefahr

Über 60 Prozent der Pharmazeuten in öffentlichen Apotheken berichten über mentale Beschwerden wie Burnout. Das ist ein Ergebnis des neuen Reports des Weltapothekerverbands FIP. Doch nur einer Minderheit sind Programme zur Förderung der psychischen Gesundheit in ihrer Region bekannt.
AutorKontaktWiebke Gaaz
Datum 26.10.2023  10:30 Uhr

Der Report baut auf den Ergebnissen einer im August durchgeführten Online-Umfrage unter 768 Apothekerinnen und Apotheker, davon die Hälfte in Europa lebend, auf. Demnach erleben 62 Prozent der Teilnehmenden Burnout oder Probleme mit der mentalen Gesundheit. 16 Prozent gaben an, ihre mentale Gesundheit sei schlecht, 4 Prozent berichteten sogar, sie sei sehr schlecht. Auf der anderen Seite berichtete fast ein Viertel der Befragten von keinerlei Problemen bezüglich ihrer mentalen Gesundheit. Fast 60 Prozent drückten einen starken Glauben an die Zukunftsfähigkeit ihres Berufs aus.

»Die mentale Gesundheit der Mitarbeitenden in öffentlichen Apotheken ist ein wichtiges Thema, und es ist essenziell, dass sie mit evidenzbasierten Strategien zur Förderung ihres psychischen Wohlbefindens unterstützt werden«, sagt Sherif Guorgui, Präsident der Sektion Öffentliche Apotheke der FIP. Denn die Umfrage zeigte auch, dass nur 10 Prozent der Befragten wissen, wo es in ihrer Region Anlaufstellen gibt, die sich mit Belastungen am Arbeitsplatz befassen.

Die Autoren des Reports nennen verschiedene Faktoren für die zunehmende Anfälligkeit für mentale Probleme der Pharmazeuten. Dazu zählen der Fachkräftemangel, der zu einer zunehmenden Arbeitsbelastung führt, und die Notwendigkeit, mit den rapiden Änderungen verschiedenster Art im Gesundheitssystem mitzuhalten. Die fehlende Anerkennung für die Leistungen dämpfen die Zufriedenheit und die Motivation. Zudem sind die Karrieremöglichkeiten für Apotheker in vielen Ländern begrenzt.

In dem Report sind auch Empfehlungen zu finden, wie eine positive Arbeitseinstellung gefördert und unterstützt werden kann. Dazu gehören:

  • evidenzbasierte Lösungen, die sich der psychischen Gesundheit von Pharmazeuten widmen und die auf die besonderen Herausforderungen zugeschnitten sind, mit denen öffentliche Apotheken konfrontiert sind
  • Mechanismen zur Überwachung der Umsetzung von Richtlinien und Initiativen zur psychischen Gesundheit
  • Bei der Erweiterung von Tätigkeitsbereichen in der Apotheke sollten die Auswirkungen auf die mentale Gesundheit automatisch mitberücksichtigt werden.
  • Anerkennung und Vergütung patientenorientierter Dienstleistungen
  • Aufklärungskampagnen für die Öffentlichkeit über die wesentliche Rolle und Verantwortung von Apothekern im Gesundheitswesen
  • Zukünftige Forschung sollte sich den dringenden Herausforderungen widmen, mit denen Apotheker konfrontiert sind.

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