| Barbara Döring |
| 26.01.2026 07:00 Uhr |
Für die Wahrnehmung spielen viele Faktoren zusammen, und wahrscheinlich mehr als die klassischen fünf Sinne. / © Adobe Stock/contrastwerkstatt
Riechen, schmecken, sehen, fühlen, hören – das Leben könnte so einfach sein. Doch wie wir unsere Umwelt wahrnehmen, dürfte etwas komplexer sein als lange angenommen. Der griechische Philosoph Aristoteles postulierte bereits vor mehr als 2000 Jahren, dass die Welt aus fünf Elementen bestünde und der Mensch sie mit fünf Sinnen wahrnehme. Die Zahl der Elemente hat die Wissenschaft inzwischen deutlich nach oben korrigiert, doch das Dogma der fünf Sinne wird erst seit wenigen Jahren hinterfragt.
Der Mensch sammelt seine Eindrücke selten allein mit nur einem Sinn, sondern multisensorisch, schreibt Professor Dr. Barry Smith, Direktor des Institute of Philosophy in London auf der Wissenschaftsplattform »The Conversation«. Der Geschmack etwa ist nicht alleine eine Frage der Geschmacksrezeptoren, auch Konsistenz und Farbe spielen mit hinein, wie wir Speisen wahrnehmen und genießen. Dass eine Himbeere nach Himbeere schmeckt, nimmt der Mund in Kombination mit dem Riechorgan wahr. Auch ob sie zart und saftig oder matschig ist, spielt eine Rolle.
Selbst Höreindrücke beeinflussen, ob etwas mundet oder als fad empfunden wird. So sorgt das Rauschen in einem Flugzeug dafür, dass Süßes, Salziges und Saures weniger intensiv wahrgenommen werden, nicht jedoch Umamigeschmack, wie eine Untersuchung zeigte. Ein möglicher Grund, warum Fluggäste oft begierig zum vollmundig schmeckenden Tomatensaft greifen.
Laut Barry gehen Neurowissenschaftler vom Crossmodal Laboratory in Oxford inzwischen davon aus, dass der Mensch über 22 bis 33 Sinne verfügt. So ermöglicht es etwa die Propriozeption zu spüren, wo sich am Körper Gliedmaßen befinden, ohne dass man genauer hinschauen müsste. Dass wir nicht in der Gegend umhertaumeln, dafür garantiert der Gleichgewichtssinn, der im Zusammenspiel von vestibulärem System im Innenohr, Sehsinn und Propriozeption funktioniert.
Die Interozeption wiederum ermöglicht, Veränderungen im eigenen Körper zu registrieren, wie Hunger oder eine erhöhte Herzfrequenz. Der Mensch nimmt sogar wahr, dass er seine Gliedmaßen selbstständig bewegt, eine Fähigkeit, die manchen Schlaganfallpatienten abhandenkommt.
Die Reizverarbeitung ist also komplexer als gedacht und es gibt noch viel zu entdecken. Barry empfiehlt, ab und zu innezuhalten, um wahrzunehmen und zu würdigen, wie die Sinne zusammenarbeiten, damit der Mensch die damit verbundenen Empfindungen aufnehmen kann.