| Laura Rudolph |
| 07.01.2026 09:00 Uhr |
Gestagene als Kombinationspartner könnten die Wirksamkeit antiestrogener Therapien bei bestimmten Brustkrebsarten verbessern. Der Effekt muss aber erst noch weiter untersucht werden. / © Getty Images/FatCamera
Schätzungsweise drei Viertel aller Brustkrebserkrankungen bei postmenopausalen Frauen sind Estrogenrezeptor-positiv (ER+). In der Regel kommen dann antiestrogene Therapien wie Aromatasehemmer zum Einsatz. Die neue Phase-II-Studie PIONEER deutet nun an, dass das Gestagen Megestrolacetat bereits in niedriger Dosis den krebshemmenden Effekt des Aromatasehemmers Letrozol bei postmenopausalen Frauen mit Brustkrebs im frühen Stadium vom Typ ER+/HER2- verbessern könnte. Die Ergebnisse sind kürzlich im Fachjournal »Nature Cancer« erschienen.
Aus präklinischen Studien war bereits bekannt, dass der ligandengebundene Progesteronrezeptor (PR) in die Signalübertragung des Estrogenrezeptors (ERα) eingreifen kann. Durch eine direkte Protein-Protein-Wechselwirkung kann PR die Bindung von ERα an die DNA verändern, wodurch sich ebenfalls die von ERα gesteuerte Genexpression verändert. In der Folge werden weniger Krebswachstumsfaktoren produziert. Im Mausmodell zeigte sich: Eine Kombination aus Tamoxifen und Progesteron hemmte das Tumorwachstum stärker als Tamoxifen allein (»Nature« 2015, DOI: 10.1038/nature14583).
Vor diesem Hintergrund stellten sich Forschende der Universität Cambridge in England die Frage, ob sich dieser Effekt auch klinisch nutzen lässt. Das Team um Dr. Rebecca A. Burrell schloss 198 postmenopausale Frauen mit frühem ER-positivem, HER2-negativem Brustkrebs in seine Studie ein. Alle erhielten Letrozol: eine Gruppe als Monotherapie, zwei weitere zusätzlich 40 beziehungsweise 160 mg Megestrolacetat. In der höheren Dosierung ist Megestrolacetat bereits zur palliativen Behandlung von metastasiertem, hormonrezeptorpositivem Brust- und Eierstockkrebs zugelassen. Die Behandlung erfolgte für zwei Wochen, anschließend wurde der Tumor operativ entfernt.
Als primärer Endpunkt wurde die Veränderung des Ki-67-Index definiert. Ki-67 ist ein Protein, das nur in sich aktiv teilenden Zellen vorkommt. Sein Anteil im Tumorgewebe kann mit bestimmten Färbemethoden bestimmt werden und gilt als Marker für die Proliferationsrate von Krebszellen.
Nach zweiwöchiger Behandlung zeigte sich, dass die zusätzliche Gabe von Megestrolacetat die antiproliferative Wirkung von Letrozol verstärkte. Der Ki-67-Index nahm in beiden Kombinationsarmen stärker ab als unter Letrozol allein, dabei waren 40 mg Megestrol ebenso wirksam wie die vierfache Dosis. Quantitativ lag die mittlere Ki-67-Unterdrückung in den Kombinationsarmen bei knapp 80 Prozent, verglichen mit etwa 71 Prozent bei Letrozol allein.
»In dem kurzen Untersuchungszeitraum führte die Zugabe eines Gestagens dazu, dass die antiestrogene Therapie das Tumorwachstum wirksamer verlangsamte. Besonders erfreulich war, dass selbst die niedrigere Dosis die gewünschte Wirkung zeigte«, fasste die Erstautorin die Ergebnisse in einer Pressemitteilung ihres Instituts zusammen.
Gestagene könnten außerdem die Therapietreue verbessern, erklärt Burrell: »Aus früheren Studien wissen wir, dass eine niedrige Progesterondosis bei der Behandlung von Hitzewallungen bei Patientinnen, die Antiestrogene einnehmen, wirksam ist. Dies könnte die Wahrscheinlichkeit verringern, dass Patientinnen ihre Medikamente absetzen.«
Da die Studie nur knapp 200 Teilnehmerinnen umfasste und der Beobachtungszeitraum kurz war, sind jedoch größere Studien mit längerer Nachbeobachtung erforderlich, um die Ergebnisse zu bestätigen. Zudem bleibt offen, ob der beobachtete Zusatznutzen auch für andere Gestagene als Megestrolacetat gilt.