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Komplexe Symptome
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Medikamente einsparen mit Cannabis-Präparaten

Wenn die Medizin an ihre Grenzen kommt, setzen viele Patienten ihre Hoffnung auf Cannabis. Da jahrzehntelang keine klinische Forschung stattfinden durfte, ist die Evidenz noch spärlich. Der Einsatz scheint in einigen Indikationen jedoch plausibel, gerade bei Symptom-Komplexen, und könnte helfen, andere Medikamente einzusparen.
AutorKontaktDaniela Hüttemann
Datum 10.02.2025  18:00 Uhr
Weg von den Blüten zu standardisierten Präparaten

Weg von den Blüten zu standardisierten Präparaten

Wichtig ist dem Pharmakologen dabei, nicht auf Cannabisblüten und das Inhalieren, also den klassischen Joint zu setzen. »Das haben wir doch längst abgehakt mit Präparaten mit Dosis-Wirkungs-Beziehung und ohne toxische Substanzen aus dem Tabak.« Während beim Kiffen ein sehr steiler Anstieg der Wirkstoffe im Blut erfolgt, der nur relativ kurz anhält, erreiche man bei oraler Gabe eine langsame Anflutung ohne größere Suchtgefahr bei länger anhaltender Wirkung. Seine Einschätzung deckt sich dabei mit einer aktuellen Stellungnahme der Deutschen Pharmazeutischen Gesellschaft.

Die optimale Dosis muss dabei durch individuelles Auftitrieren erfolgen; auch unter Berücksichtigung möglicher Nebenwirkungen wie Schwindel, Kognitionseinschränkungen, Fatigue und Übelkeit. Die Startdosis hänge dabei auch von den Vorerfahrungen der Patienten mit Cannabis ab.

Mit THC beziehungsweise seinem Pendant Dronabinol in oraler Form müsse man im Übrigen bei niedriger und mittlerer Dosierung keine klinisch relevanten Wechselwirkungen befürchten, wenn man langsam hoch titriert, zitierte Herdegen aus einer Praxisempfehlung, die 2023 im »Deutschen Ärzteblatt« erschien. Und: »Alter und Multimorbidität per se sind keine Gründe, Medizinalcannabis nicht zu versuchen.«

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