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DGMG-Präsident
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»Männer sind immer noch Vorsorgemuffel«

Männer sind von einigen ernsthaften Erkrankungen häufiger betroffen als Frauen. Ihr Leben fällt im Durchschnitt in Deutschland um rund fünf Jahre kürzer aus. Und zugleich verhalten sie sich nach Experten-Einschätzung oft weniger gesundheitsbewusst und deutlich risikoreicher.
AutorKontaktdpa
Datum 18.11.2022  08:00 Uhr
Gesundheit spielt für viele Männer eine untergeordnete Rolle

Gesundheit spielt für viele Männer eine untergeordnete Rolle

Männer sollten motiviert werden, mehr Verantwortung für ihre Gesundheit zu übernehmen und das Bewusstsein für spezifische Risiken und einen achtsamen Lebensstil zu schärfen, mahnt die Stiftung Männergesundheit. Es brauche besondere Präventions- und Versorgungsangebote für ein physisches, psychisches und soziales Wohlbefinden. Der Stiftung zufolge sterben etwa doppelt so viele Männer wie Frauen an Lungenkrebs. Und es sei davon auszugehen, dass Deutschland den europaweit höchsten Anteil an depressiven Männern habe. Gesundheit spiele für viele eine untergeordnete Rolle. Etwa 62 Prozent der Männer seien übergewichtig. Gesundheitsgefährdender Alkohol- und Drogenkonsum komme bei Männern erheblich häufiger vor als bei Frauen. Zudem falle ihr Verhalten im Straßenverkehr riskanter aus – bei rund 75 Prozent aller Sterbefälle durch Verkehrsunfälle handele es sich um Männer.

Es gebe noch immer ein Männerbild, nach dem diese vor allen zu funktionieren haben. »Jedoch gerät dieses Männerbild allmählich ins Schwanken«, sagt eine Sprecherin der Stiftung. Besonders bei den Jüngeren zeichne sich ein Wandel ab. Zwar hänge ein Teil »noch einem traditionellen Bild des starken, unverletzlichen Mannes« an. Aber ein wachsender Anteil lasse eine »sensible Wahrnehmung« gesundheitlicher Probleme und eine tiefere Auseinandersetzung damit zu.

Und warum haben Männer eine geringere Lebenserwartung? Es gebe dazu ein Fülle von Theorien, die sich oft auf die Genetik und äußere Einflussfaktoren bezögen, erläutert Experte Sommer. Zur Genetik: Auf dem Y-Chromosom des Mannes – Frauen besitzen zwei X-Chromosomen, Männer hingegen X und Y – sind deutlich weniger genetische Informationen kodiert als auf dem X-Chromosom. Wenn das X-Chromosom des Mannes einen Schaden habe, könne das Y-Chromosom daher nicht alle Funktionen übernehmen. Im Gegensatz zum vielzitierten Spruch, Männer seien das stärkere Geschlecht, betont Sommer: »Wir Männer sind aus gesundheitlicher Sicht wirklich das schwächere Geschlecht.«

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