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Präzisionsmedizin
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Lungenkrebs-Therapie wird immer besser – und genauer

Die Lungenkrebs-Therapie ist in den vergangenen Jahren durch die Entdeckung der Immuncheckpoints und Treibermutationen sowie entsprechend entwickelter Wirkstoffe revolutioniert worden. Die auf die individuelle Tumorgenetik abgestimmte, personalisierte Medizin gewinnt bei der Behandlung von Bronchialkarzinomen zunehmend an Bedeutung.
AutorKontaktChristiane Berg
Datum 08.06.2021  18:00 Uhr

Deutlicher Gewinn von Lebenszeit durch Immuntherapien

Der Kongresspräsident betonte, dass dieses Therapieprinzip beim fortgeschrittenen nicht-kleinzelligen Bronchialkarzinom (NSCLC) inzwischen fester Bestandteil der Behandlung sei. So habe sich durch Addition des PD-1-Antikörpers Pembrolizumab zur Standardtherapie studiengemäß mehr als eine Verdoppelung des medianen Gesamtüberlebens von 10,3 auf 22 Monate gezeigt.

Nach zwischenzeitlich drei Jahren Nachbeobachtung, so Rohde, lägen Daten vor, die eine Gesamtüberlebensrate von 31,3 Prozent unter Immunchemotherapie gegenüber 17,4 Prozent unter Chemotherapie zeigen. Bei Patienten mit sehr hoher PD-L1-Expression seien zwischenzeitlich Drei-Jahres-Gesamtüberlebensraten von 43,7 Prozent und mediane Überlebenszeiten von 26,3 Monaten registriert worden.

Beim fortgeschrittenen kleinzelligen Bronchialkarzinom (SCLC), so Rohde weiter, konnte darüber hinaus gezeigt werden, dass durch Hinzunahme des PD-L1-Antikörpers Atezolizumab zum aktuellen Therapiestandard (vier Zyklen Chemotherapie mit Platindoublette) das mediane Überleben um zwei Monate auf 12,3 Monate verlängert werden kann. Der Einsatz als Erhaltungstherapie vor allem bei jüngeren Patienten mit gutem Performance-Status und niedriger LDH berge das Potenzial zu einem noch weiter verbesserten Gesamtüberleben.

Kinase-Hemmer als weitere Therapiesäule

Als weiteren Meilenstein in der Therapie des fortgeschrittenen Bronchialkarzinoms nannte Rohde die Entdeckung der sogenannten Treibermutationen als somatische Modifikation in entscheidenden Signaltransduktionswegen, die den Tumorzellen einen Wachstumsvorteil verschaffen. Hier spielen sogenannte Tyrosinkinasen eine wichtige Rolle. Werden die Kinasen gehemmt, wird das Tumorzellwachstum gestoppt.

Bei etwa 17 Prozent der Patienten mit einem nicht-kleinzelligen Bronchialkarzinom sei eine EGFR-Mutation im Tumor nachweisbar. Der Einsatz von Tyrosinkinase-Hemmern führe laut deutscher Registerdaten bei Patienten mit aktivierenden EGFR-Mutationen zu einem medianen Überleben von 31,5 Monaten gegenüber 9,6 Monaten unter Chemotherapie.

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