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Elektronische Nasen
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Lungenkrebs in der Atemluft aufspüren

Lungenkrebs an speziellen Mustern von Substanzen in der Atemluft erkennen – das sollen sogenannte elektronische Nasen leisten. Diese könnten die Früherkennung der tödlichen Erkrankung vereinfachen. Wie weit ist die Technologie heute?
AutorKontaktChristina Hohmann-Jeddi
Datum 25.02.2026  07:00 Uhr

eNose-Technologie zur Früherkennung von Lungenkrebs?

Wie gut die eNose-Technologie darin ist, Lungenkrebserkrankungen in frühen Stadien zu erkennen, untersuchte ein Team um Dr. Gaetano Rocco vom Memorial Sloan Kettering Cancer Center in New York, USA. Es testete die Sensitivität und Spezifität eines speziellen Geräts, des am Biomedizin-Campus der Universität Rom entwickelten Bionote-Systems, bei der Diagnose von Stadium-1-Lungenkrebs. In die Phase-II-Studie wurden100 Patienten eingeschlossen, bei denen mittels CT kleine Knoten festgestellt worden waren, die dann histopathologisch abgeklärtwurden. Bei 88 der Patienten  stellte sich der Knoten als bösartig, bei 12 als gutartig heraus.

Die eNose-Ergebnisse stimmten in 86 Prozent der Fälle mit den histopathologischen Befunden überein, berichten Rocco und Kollegen im »Journal of Thoracic Oncology« (DOI: 10.1016/j.jtho.2024.05.006). Das System erkannte 86 der 88 Lungenkrebspatienten korrekt (Sensitivität von 97,8 Prozent), aber keinen der Gesunden mit gutartigen Knoten als gesund (Spezifität von 0 Prozent). Die Forschenden weisen in der Publikation darauf hin, dass in einer Phase-IIa-Studie in einem Lungenkrebsscreening-Kollektiv, in dem die Krankheit nur bei 22 Prozent der Teilnehmenden vorkam, die gleiche eNose-Technologie eine Sensitivität von 86 Prozent und eine Spezifität von 95 Prozent gezeigt hatte.

Konkret bedeutet das, dass von 100 getesteten Personen unter den 22 Erkrankten drei nicht korrekt als krank identifiziert wurden, während von den 78 nicht Erkrankten vier eine falsch positive Verdachtsdiagnose gestellt bekamen. Aus Sicht der Autoren bestätige dies die Erkenntnisse, dass Spezifität und Sensitivität stark von der Krankheitsprävalenz im Kollektiv abhängen: So nimmt die Sensitivität bekanntermaßen mit steigender Prävalenz zu, während die Spezifität abnimmt. Zum Vergleich: Die Spezifität der CT-Untersuchung wird laut einer Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2023 mit 73 bis 99 Prozent angegeben.

Trotz der suboptimalen Erkennungsraten sehen die Forschenden in der eNose-Technologie eine »zuverlässige Ergänzung zu bestehenden Diagnosemethoden für Lungenkrebs im Frühstadium«, heißt es in einer Pressemitteilung des Instituts zur Publikation. Das Team wolle sich nun um Fördermittel bemühen, um die Entwicklung weiter voranzutreiben.

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