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80 Jahre Kriegsende
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Luftschutz-Hausapotheken bei Fliegerangriffen

Sie sind noch in einigen Regionalmuseen und Sammlungen zu finden: Luftschutz-Hausapotheken aus dem Zweiten Weltkrieg. Digitale Museumseinträge verraten, was darin enthalten war.
AutorKontaktPZ
Datum 08.05.2025  14:15 Uhr

Anlässlich des 80. Jahrestages des Kriegsendes am 8. Mai 1945 berichtet der RBB über eine Besonderheit dieser schweren Zeit: Luftschutz-Hausapotheken. Im Regionalmuseum Oberhavel in Oranienburg ist ein solches vollständig erhaltenes Exemplar zu besichtigen. Sie sollten im Zweiten Weltkrieg für den Falle eines Luftangriffs in jedem Luftschutzkeller oder Haushalt vorhanden sein. Der Inhalt war genau vorgeschrieben.

Digitale Sammlungseinträge des Heimatmuseums Miesbach sowie des Museums im Schweizer Hof Bretten verraten, was enthalten war: 22 Artikel stehen auf der im Deckel aufgeführten Soll-Liste nebst Kurzanleitung. Die Medikamente und Verbandmittel wie Brandbinden waren für die Erste Hilfe bei Brandverletzungen und chemischen Angriffen gedacht. Enthalten war unter anderem:

  • Natrium bicarbonium-Tabletten, also Natriumhydrogencarbonat alias Natron oder Soda, nebst Glasgefäß zur Herstellung einer Lösung zum Abwaschen bei Phosphorbrandverletzungen, zum Gurgeln oder als Augenspüllösung,
  • kalzinierte Soda, das in einem ebenfalls enthaltenen Glasgefäß gelöst und bei Phosphorverbrennungen auf die Haut aufgetragen werden sollte,
  • ein Riechfläschchen in einer Metallhülse mit einem Menthol-Eukalyptus-Gemisch für Ohnmächtige,
  • Chloramin-Puder zur Herstellung eines Breis gegen Gelbkreuzhautschäden (verursacht unter anderem durch Senfgas),
  • Kali-Seife,
  • weiße Vaseline zur Nachbehandlung der Haut bei Kampfstoffverätzungen nach vorheriger Chloramin-Brei- und Seifenbehandlung,
  • eine alkalische Augensalbe plus zwei Glasstäbchen zur Applikation,
  • Baldrian-Tinktur zur Beruhigung und Würfelzucker, auf den die Tinktur aufgetragen werden sollte.

Hersteller waren unter anderem die Paul Hartmann AG oder die Münchener Verbandstoff-Fabrik A. Aubry AG. Im RBB-Beitrag heißt es jedoch: »Ob der Inhalt der Luftschutz-Hausapotheke überhaupt hilfreich war, ist fraglich.«

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