| Alexandra Amanatidou |
| 10.02.2026 13:00 Uhr |
Eine breite Partner-Allianz aus Medizin, Wissenschaft und Gesellschaft hat heute ein gemeinsames Forderungspapier zur Stärkung der Prävention und Public Health in Deutschland veröffentlicht. / © Adobe Stock/ismail
Eine Allianz aus 32 Institutionen, Verbänden, Stiftungen und Unternehmen fordert Verhältnisprävention und Regulierungen statt Freiwilligkeit. Zu den Mitgliedern zählen unter anderem der AOK-Bundesverband, die Linda-Apotheken, die Bundesärztekammer, die Bundeszahnärztekammer, der BKK-Dachverband und Doctolib.
»Prävention und Public Health müssen in Deutschland tragende Säulen der Gesundheitspolitik werden – für eine nachhaltig gesündere Gesellschaft und ein ebenso gesundes Gesundheitssystem. Vorsorge ist immer besser als Nachsorge«, sagt Linda-Apotheker Norbert Peter, Inhaber der Burger-Apotheke in Berlin, gegenüber der PZ. Laut der Allianz schützt eine mutige Präventionspolitik nicht nur Leben, sondern stärkt auch Deutschland als Wirtschaftsstandort, indem sie zu einer gesünderen und produktiveren Belegschaft beiträgt. Eine Präventionspolitik, die auf individuelle Gesundheit, demokratische Stabilität und wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit abziele, sei zukunftsweisend.
Die Allianz fordert einen »klaren politischen Richtungswechsel« und einen radikalen Paradigmenwechsel in der Gesundheitspolitik. Außerdem möchte sie das Prinzip »Health in all Policies«, zu Deutsch »Gesundheit in allen Politikfeldern«, umgesetzt sehen. Damit ist der gesundheitspolitische Ansatz der Weltgesundheitsorganisation (WHO) gemeint. Dieser Ansatz fordert, dass gesundheitliche Auswirkungen bei allen politischen Entscheidungen systematisch berücksichtigt werden.
In dem Forderungspapier werden drei Handlungsfelder aufgezählt: Erstens soll Prävention als staatliche Pflicht verankert werden. Zweitens muss Gesundheitsschutz gesetzlich verbindlich geregelt und ressortübergreifend umgesetzt werden. Drittens sollen evidenzbasierte Erkenntnisse der Wissenschaft schneller in die Politik einfließen.
»Vier von zehn Todesfällen in Deutschland sind auf Tabak, schlechte Ernährung, Alkohol und Bewegungsmangel zurückzuführen«, sagt Oliver Huizinga, Abteilungsleiter Prävention des AOK-Bundesverbands. »Es ist millionenfach vermeidbares Leid und eine milliardenschwere Last für unsere Volkswirtschaft. Im Januar sind gute Vorsätze weit verbreitet. Es fällt vielen aber schwer, diese dauerhaft umzusetzen. Unsere Alltagsbedingungen erschweren es.«
Deshalb fordert die Allianz als konkrete politische Maßnahmen umfassende Tabakkontrollen, Werbeverbote, Steuererhöhungen und einen konsequenten Schutz vor Passivrauchen. Darüber hinaus setzt sie sich für verbindliche Kennzeichnungen für eine gesunde Ernährung, den Schutz von Kindern vor Marketing, die Ausrichtung der öffentlichen Verpflegung an Gesundheitskriterien sowie eine Alkoholpolitik mit Beschränkung der Verfügbarkeit und Erhöhung der Verbrauchsteuern ein.
Zudem möchte sie ein systematisches Monitoring zur Verbesserung der Luftqualität etablieren, die Luftreinheit als zentrales Public-Health-Thema festigen und durch die systematische Gestaltung von Infrastrukturen und Lebensräumen eine Bewegungsförderung und damit eine Steigerung der körperlichen Aktivität erreichen.
In einem Pressetermin erklärte Udo Schauder, der Vorstandsvorsitzende von Im Puls, welche Rolle Apotheken dabei spielen könnten: »Ich sehe eine deutliche Rolle bei den Apotheken, da sie niedrigschwellig sind.« Prävention sei auch eine Bildungsfrage, bei der die Apotheken »sicherlich helfen« könnten. Viele Apotheken bieten neben pharmazeutischen Dienstleistungen (pDL) auch Spezialisierungen, etwa zum Thema Ernährung, an. Ein Beispiel ist die Medios-Apotheke in Berlin, die Ernährungsberatungen anbietet.
Auch Nobert Peter vertritt diese Meinung: »Unsere Teams erreichen täglich Menschen aller Bevölkerungsschichten und können zum Beispiel kardiovaskuläre Risikofaktoren niedrigschwellig adressieren – durch Leistungen, die wir bereits jetzt anbieten: Blutdruckmessungen, Medikationsanalysen, strukturierte und fundierte Beratung zur Rauchentwöhnung, Sport und Ernährung.«
Laut dem Apotheker könnten Apotheken auch eine Lotsenfunktion im Gesundheitssystem einnehmen und in Zusammenarbeit mit Ärztinnen und Ärzten Prävention ganzheitlich gestalten. »Hierfür braucht es jedoch klare Rahmenbedingungen, die Präventionsleistungen im Apothekenalltag systematisch ermöglichen und angemessen vergüten«, sagt er gegenüber der PZ.
Für mehr Zusammenarbeit plädiert auch Niklas Oppenrieder, Vorstandsmitglied der gemeinnützigen Gesundheitsorganisation Pan Dach. Er ist der Meinung, dass die Politik mit allen Beteiligten zusammenarbeiten muss, damit Prävention besser umgesetzt werden kann.