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Kampagnen zum Kabinettstermin
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Licht aus und Plakate hoch

Die Apothekenreform steht wohl kurz vor der Verabschiedung durch die Bundesregierung. Vor den Folgen der Systembrüche warnen Kammer und Verband in Westfalen-Lippe mit einer emotionalen Plakataktion.
AutorKontaktPZ
Datum 15.12.2025  16:16 Uhr

In der besinnlichen Adventszeit kann es für Apotheken um alles gehen – es hängt am Apothekenversorgung-Weiterentwicklungsgesetz (ApoVWG), das sehr bald, voraussichtlich am Mittwoch, 17. Dezember, im Bundeskabinett besprochen wird. Wenn die Ministerinnen und Minister den Entwurf inklusive allen Schmerzpunkten für die Apotheken absegnen, »geht es um nicht weniger als um die Zukunft der öffentlichen Apotheke vor Ort«, wie Apothekerkammer (AKWL) sowie -verband (AVWL) in Westfalen-Lippe nun warnen.

Mit der emotionalen Plakat-Kampagne »Advent, Advent, kein Lichtlein brennt« wollen AKWL und AVWL in der Adventszeit auf die Risiken aufmerksam machen, die diese Reformpläne für die flächendeckende Arzneimittelversorgung bergen. 

Dafür würden Apotheken in Westfalen-Lippe in dieser Woche mit zwei Plakatmotiven ausgestattet und gebeten, diese ab sofort gut sichtbar in Schaufenstern oder Innenräumen zu platzieren, heißt es in einer Mitteilung von Kammer und Verband. Material für digitale Auftritte sowie Sharepics für Social Media stünden ebenfalls zur Verfügung.

Mit der Kampagne sollen die drohenden Konsequenzen der Reformpläne hervorgehoben werden, außerdem will man den politischen Druck erhöhen. Nach derzeitigem Stand gehen weder Verband noch Kammer davon aus, dass die Kabinettsmitglieder den Apotheken ein politisches »Weihnachtsgeschenk« machen – eher im Gegenteil.

Besonders kritisch bewertet werden:

  • keine Honorarerhöhung – trotz 13 Jahren Stillstand und klarer Zusage im Koalitionsvertrag,
  • PTA-Vertretung als Ersatz für Apotheker*innen – ein Modell, das aus Sicht der Berufsorganisationen das System der inhabergeführten Apotheke gefährdet; die Rolle der PTA müsse gestärkt werden, jedoch auf anderen Wegen,
  • keine sichere Basis für zukünftige Honoraranpassungen, da diese unter Finanzierungsvorbehalt gestellt werden,
  • weitere Maßnahmen, die eine »Verzwergung« der Apothekenstruktur begünstigen, etwa Filialen ohne Labor oder Zweigapotheken mit nur wenigen Öffnungsstunden täglich.

Die zentralen Forderungen des Berufsstandes sind der Politik bekannt. Wenn sie diese erfüllen sollte, könnten die Plakate umgehend  abgenommen werden. »Nichts würden wir lieber tun – denn es wäre das Zeichen, dass die Arbeit, die die Teams in den öffentlichen Apotheken Tag für Tag leisten, von der Politik wertgeschätzt würde«, so Kammerpräsidentin Gabriele von Elsenau Overwiening und Verbandschef Thomas Rochell.

Die Plakataktion sei im Übrigen als Startsignal gedacht, nicht als Abschluss. »Zwei Plakate werden die Apothekenwelt nicht retten.« Und: Wir sehen unsere Plakate als Ergänzung und regionale Verlängerung der bundesweiten Aktivitäten der ABDA«, so Kammer und Verband. Sollte es keine Nachbesserungen am Reformentwurf geben, würden weitere Maßnahmen folgen.

Dass die ABDA zum 17. Dezember eine Protestaktion plant, wurde bereits vergangene Woche bekannt. Am Tag der Kabinettssitzung will die Standesvertretung auf die Notlage der Apotheken aufmerksam machen. Unter dem Stichwort »Versorgungsblackout« sollen Apotheken vorübergehend das Licht ausmachen.

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