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Primärer Immundefekt APDS
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Leniolisib zur Zulassung empfohlen

Ende März empfahl die EMA die Zulassung von Leniolisib. Das Arzneimittel Joenja® ist zur Behandlung des aktivierten Phosphoinositid-3-Kinase-Delta-Syndroms bestimmt.
AutorKontaktBrigitte M. Gensthaler
Datum 31.03.2026  07:00 Uhr

Der Ausschuss für Humanarzneimittel (CHMP) empfahl die Zulassung unter außergewöhnlichen Umständen. Die genaue Indikation lautet: Behandlung des aktivierten Phosphoinositid-3-Kinase-Delta-Syndroms (APDS) bei Erwachsenen und Jugendlichen ab zwölf Jahren mit einem Körpergewicht von mindestens 45 kg. Leniolisib ist als Orphan Drug eingestuft.

APDS ist eine seltene, angeborene Erkrankung, von der weltweit etwa ein bis zwei Menschen pro 1 Million betroffen sind. Die komplexe primäre Immundefektkrankheit verläuft progredient und potenziell lebensbedrohlich. Wie Antragsteller Pharming Technologies erklärt, wird APDS durch Varianten in einem von zwei Genen, PIK3CD oder PIK3R1, verursacht, die die Reifung von weißen Blutkörperchen regulieren. Varianten dieser Gene führen zu einer Hyperaktivität des Phosphoinositid-3-Kinase-Delta-(PI3Kδ-)Signalwegs. Eine ausgewogene Signalgebung im PI3Kδ-Pfad ist jedoch für die physiologische Immunfunktion unerlässlich. Wenn der Signalweg hyperaktiv ist, reifen die Immunzellen nicht aus und funktionieren nicht ordnungsgemäß, was zu Immunschwäche und -dysregulation führt.

Menschen mit APDS leiden an schweren, rezidivierenden Infektionen der Atemwege, Bronchiektasen, Lymphoproliferation, Autoimmunität und Enteropathie. Da die Symptome unspezifisch sind, sind Fehldiagnosen häufig und die Diagnose verzögert sich oft um Jahre. Die Erkrankung schreitet fort und kann zu einer Anhäufung von Schäden führen, unter anderem zu dauerhaften Lungenschäden und Lymphomen. Eindeutig lässt sie sich nur durch genetische Tests diagnostizieren.

Bremse im überaktivierten Signalweg

Der Wirkstoff Leniolisib wirkt als Immunstimulans. Es ist ein PI3Kδ-Inhibitor, der die katalytische p110δ-Untereinheit der Kinase hemmt und dadurch spezifisch den hyperaktivierten PI3K-Signalweg inhibiert, der dem APDS zugrunde liegt. Infolgedessen normalisieren sich Defizite und Dysregulationen der B- und T-Zellpopulationen. Das Arzneimittel Joenja wird als 70-mg-Filmtablette erhältlich sein.

Leniolisib wurde in einer doppelblinden, randomisierten, placebokontrollierten Studie mit 31 Patienten mit APDS geprüft (DOI: 10.1182/blood.2022018546). Sie erhielten zweimal täglich 70 mg Leniolisib oder Placebo für zwölf Wochen. Die Therapie verbesserte die Lymphadenopathie (geschwollene, vergrößerte Lymphknoten) und normalisierte den Immunphänotyp, das heißt, dass der Anteil naiver B-Zellen an der Gesamtzahl der B-Zellen anstieg. Ebenso verbesserten sich Milzparameter und das Volumen der Milz nahm ab. Allerdings wurde keine Reduktion der Infektionshäufigkeit nachgewiesen.

Das Medikament wurde gut vertragen. Unter Leniolisib berichteten sogar weniger Patienten über behandlungsbedingte unerwünschte Nebenwirkungen als Patienten unter Placebo (24 versus 30 Prozent). Die häufigsten Nebenwirkungen sind Kopfschmerzen, Erbrechen, Haarausfall, Gewichtszunahme und eine verminderte Anzahl von Neutrophilen.

In Ausnahmefällen – wie hier bei Joenja – kann eine Zulassung unter bestimmten, jährlich zu überprüfenden Auflagen erteilt werden. Dies ist der Fall, wenn der Antragsteller nachweisen kann, dass er aufgrund der Seltenheit der zu behandelnden Erkrankung, begrenzter wissenschaftlicher Kenntnisse oder ethischer Bedenken keine umfassenden Daten zur Wirksamkeit und Sicherheit des Arzneimittels vorlegen kann. 

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