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Gesundheitssystem
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Lauterbach fordert Termingarantie bei Fachärzten

In Deutschland dauert es im Schnitt sechs Wochen, bis Kassenpatienten einen Facharzttermin bekommen. Der frühere Gesundheitsminister macht einen Vorschlag.
AutorKontaktPZ
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Datum 05.02.2026  15:30 Uhr
Lauterbach fordert Termingarantie bei Fachärzten

In der Debatte um lange Wartezeiten für Facharzttermine hat der ehemalige Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) eine fachärztliche Termingarantie für gesetzlich Versicherte gefordert. »Wir brauchen endlich eine Termingarantie bei Fachärzten. Wenn innerhalb von drei Wochen kein Termin geht, darf der Patient wie ein Privatversicherter ambulant im Krankenhaus behandelt werden«, sagte Lauterbach der »Rheinischen Post«. Bezahlt werden solle das aus dem Honorartopf der niedergelassenen Fachärztinnen und Fachärzte.

Im Schnitt dauere es in Deutschland inzwischen sechs Wochen bis zu einem fachärztlichen Termin. Nach einer Antwort des Gesundheitsministeriums auf eine Linken-Anfrage betrug bei gesetzlich Versicherten die Wartezeit 2024 durchschnittlich 42 Tage. 2019 waren es noch 33 Tage.

Deutschlands Hausärzte reagierten alarmiert. Die Chefin des Hausärztinnen- und Hausärzteverbandes, Nicola Buhlinger-Göpfarth, forderte Tempo bei der angekündigten Reform zum Primärversorgungssystem.

Der Grünen-Gesundheitsexperte Janosch Dahmen schloss sich Lauterbachs Vorschlag an und sagte, es sei sinnvoll, dort, »wo wir offensichtlich Unterversorgung haben, wo Menschen sehr lange warten«, auch den Krankenhäusern zu erlauben, fachärztliche Versorgungen ambulant anbieten zu dürfen. Eine starre Trennung zwischen niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten, denjenigen, die im Krankenhaus arbeiten, sei nicht mehr zeitgemäß, sagte Dahmen.

Lauterbach kommentierte auch die ärztlichen Kontakte im Land: »Wir haben insgesamt eine Milliarde Arztkontakte pro Jahr. Dabei sind viele Facharztkontakte völlig überflüssig; sie finden nur statt, damit der Facharzt sein volles Honorar bekommt. Und das bekommt er, wenn der Patient vier- bis sechsmal pro Jahr in der Praxis erscheint. Man denkt, man müsse kommen, weil das medizinisch geboten ist, man muss aber nur deshalb kommen, damit der Facharzt ein volles Quartalshonorar bekommt«, sagte er im Pioneer-Podcast.

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