Wer lange Single ist, fühlt sich laut einer Studie mit den Jahren unwohler – Männer bleiben häufiger ohne feste Bindung. / © Getty Images/sam thomas
Langes Single-Dasein ist mehr als eine Lebensphase – es kann das psychische Wohlbefinden junger Erwachsener nachhaltig beeinträchtigen. Frauen und Männer zeigten dabei ein insgesamt ähnliches Muster, wie aus einer Studie der Universität Zürich (UZH) hervorgeht.
Für die Untersuchung, die im Fachmagazin »Journal of Personality and Social Psychology« erschienen ist, hat das Team um Michael Krämer, Oberassistent am Psychologischen Institut der UZH, mehr als 17.000 zu Beginn der Studie »partnerschaftsunerfahrene junge Menschen« aus drei repräsentativen Panelstudien in Deutschland und Großbritannien herangezogen. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler befragten sie dann jährlich im Alter von frühestens 16 bis spätestens 29 Jahren.
Das Forschungsteam untersuchte zudem, wie die erste romantische Beziehung das Befinden im Zeitverlauf beeinflusste. Das Ergebnis: Sobald junge Erwachsene ihre erste Partnerschaft eingingen, verbesserte sich ihr Wohlbefinden in mehreren Bereichen: Sie fühlten sich zufriedener und weniger einsam – sowohl kurzfristig als auch langfristig. Bei der Depressivität stellten die Forschenden jedoch keinen solchen Erholungseffekt fest.
»Insgesamt zeigen die Ergebnisse, dass ein längeres Single-Dasein im jungen Erwachsenenalter mit moderaten Risiken für das Wohlbefinden verbunden ist«, sagte Studienleiter Krämer. Während sich dauerhafte Singles und Personen, die später eine Partnerschaft eingingen, in der Jugendzeit kaum unterschieden, nahmen die Unterschiede mit zunehmender Dauer der Single-Phase deutlich zu. »Dies deutet darauf hin, dass es in den späten Zwanzigern schwieriger werden kann, eine erste Partnerschaft einzugehen – zumal ein geringeres Wohlbefinden zugleich die Wahrscheinlichkeit erhöht, länger Single zu bleiben«, so Krämer.
Zudem analysierten die Forscherinnen und Forscher, welche jungen Erwachsenen mit höherer Wahrscheinlichkeit länger alleinstehend bleiben. Dabei zeigte sich: Männer, Menschen mit einem aktuell geringeren Wohlbefinden oder einer höheren Bildung sowie diejenigen, die allein oder noch bei ihren Eltern wohnten, blieben im Durchschnitt länger ohne feste Beziehung.
»Die Befunde, dass ein stärkerer Fokus auf Bildung bei manchen Menschen mit dem Aufschieben fester Partnerschaften einhergeht, sind konsistent mit Studien aus der Soziologie«, sagte Krämer.