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IGES-Gutachten
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Längere Fußwege zur nächsten Apotheke

Mit dem Auto in maximal 15 Minuten zur nächsten Apotheke – das ist laut einem Gutachten im Auftrag der Kassen nach wie vor für die allermeisten Bundesbürger möglich – trotz Apothekenschwund. Die Daten des IGES-Instituts belegen aber auch: Zu Fuß sind Apotheken inzwischen schlechter zu erreichen.
AutorKontaktCornelia Dölger
Datum 05.03.2026  12:02 Uhr

Im Auftrag des GKV-Spitzenverbands befasste sich das IGES-Institut, ein Forschungs- und Beratungsinstitut für Infrastruktur- und Gesundheitsfragen, unter anderem mit der Frage, wie es um die Erreichbarkeit von Apotheken in Deutschland steht. Fazit der Autorinnen und Autoren: Trotz der vielen Standortschließungen bleiben Apotheken in Deutschland »vergleichbar gut erreichbar«.

Zum Vergleich standen die Jahre 2020 und 2025. In dieser Zeit sei ein Standortrückgang um 12 Prozent oder 2310 Betriebe zu verzeichnen, bestätigt das Gutachten, das der PZ vorliegt. Auf die Erreichbarkeit mit dem Auto schlage sich das aber nicht nieder; nahezu jeder Bundesbürger – 99,9 Prozent – erreichte demnach im Jahr 2025 mit dem Auto in maximal 15 Minuten eine Apotheke. Darauf hatte Iris an der Heiden vom IGES-Institut gestern bei der Anhörung zum Apothekenversorgung-Weiterentwicklungsgesetz (ApoVWG) hingewiesen.

Allerdings hat sich der Datenerhebung zufolge die fußläufige Erreichbarkeit seit 2020 um 0,7 Prozentpunkte auf 5,3 Prozent  verschlechtert. Damit habe etwa eine halbe Million Menschen weniger als 2020 eine Apotheke noch in 5-Minuten-Nähe.

Apotheken mit maximal 15 Minuten Laufzeit waren demnach schon 2020 nur 43,7 Prozent der Bevölkerung zugänglich. Dieser Wert nahm noch einmal ab und beträgt nun 41,6 Prozent. »Rund 1,7 Millionen Menschen (2 Prozent der Bevölkerung) können zu Fuß innerhalb von 15 Minuten keine Apotheke mehr erreichen, die es 2020 noch konnten.«

Kassen gegen pauschale Honorarerhöhung

Die Kassen haben sich wiederholt gegen eine pauschale Anhebung des Honorars pro Rx-Packung ausgesprochen, zuletzt gestern bei der ApoVWG-Anhörung im Gesundheitsausschuss. Sie wollten also auch wissen, wie es um die Entfernungen zwischen verordnender Arztpraxis und Apotheke steht.

Hier bescheinigt das Institut eine gute Erreichbarkeit von Apotheken nach einem Arztbesuch. Demnach können Patienten von knapp zwei Dritteln der Arztpraxen nach Verlassen ihres Arztes innerhalb von 10 Minuten zu Fuß eine Apotheke erreichen, vom Wohnort aus nur ein Viertel. Von etwa einem Drittel der Hausärzte (34,5 Prozent) sei »mindestens eine Apotheke in 5 Minuten fußläufig zu erreichen«, von Wohnorten demnach nur 5,3 Prozent.

Die Erreichbarkeit von Apotheken habe sich im Jahr 2025 »trotz erheblicher Standortverluste in den vergangenen Jahren nur für einen geringen Anteil der Bevölkerung verschlechtert«, schließen die Autorinnen und Autoren. 

Die Kassen nehmen das Gutachten zum Anlass, erneut von einer pauschalen Honorarerhöhung abzuraten. Denn die Erreichbarkeit von Apotheken und mithin die Versorgung habe sich, wie es das Gutachten zeige, trotz des Apothekensterbens kaum verändert. Dass Standorte schließen müssten, liege am Wettbewerb und am örtlichen Versorgungsumfeld. Es gelte, das weitere »Auseinanderdriften von wirtschaftlich starken und schwachen Apotheken« zu verhindern, dies sei nur mit einer differenzierten Vergütung möglich.

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