| Christina Hohmann-Jeddi |
| 21.01.2026 16:20 Uhr |
Insgesamt rief Bojunga zu einem Umdenken auf: »Adipositas ist keine Willensschwäche, sondern eine chronische Erkrankung.« In der Pathologie spiele die Inflammation eine Rolle – des Fettgewebes, der Leber, des Darms und vor allem des Gehirns. Man spreche auch vom »inflamed patient«. Deswegen betrifft Adipositas eine ganze Reihe von Organen und ist mit vielen Folgeerkrankungen wie Fettleber, Diabetes, Krebs-, Gelenk-, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Demenz assoziiert.
Professor Dr. Jörg Bojunga / © PZ/Alois Müller
Entsprechend seien Inkretinmimetika auch keine Lifestyle-Präparate, sondern hätten neben dem Abnehmen eine Reihe von positiven Gesundheitseffekten. In Studien konnten sie etwa das Risiko für Krebserkrankungen senken, bei Prädiabetikern das Fortschreiten zu einem Diabetes aufhalten und die Beschwerden bei Schlafapnoe reduzieren. »Das ist kein Lifestyle, das sind Endpunkte.« Zudem sind mehrere Substanzen in den USA inzwischen zur Behandlung von Fettleber mit Fibrose zugelassen. Das sei für Deutschland auch zu erwarten.
Der Experte erwartet außerdem, dass Semaglutid in höherer Dosierung auf den Markt kommen wird und auch als orales Präparat. Ebenfalls als oral zu applizierendes Arzneimittel könnte der nicht peptidische GLP-1-Agonist Orforglipron auf den Markt kommen, der als small molecule billiger herzustellen und einfacher in der Anwendung sei als beispielsweise Semaglutid, wenn auch etwas schwächer wirksam.