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Neujahrs-Rausch
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Kröten lecken bringt kein Glück

Von Australien über die USA schwappt ein Trend nach Europa: der billige Rausch durch Krötengift. Doch ganz ungefährlich ist das Vergnügen nicht. Ein Pharmakologe warnt vor dem Neujahrs-Quark.
AutorKontaktJohanna Hauser
Datum 30.12.2025  07:00 Uhr

Viele Kulturen schreiben Fröschen und Kröten symbolische Bedeutung zu. In China sollen sie sogar Reichtum bringen. Dort verschenkt man daher Froschfiguren gerne zum Jahreswechsel. Inzwischen steht bei vielen aber die LSD-artige Wirkung des Krötenschleims im Fokus. Die verspricht jedoch weder Wohlstand noch Glück... 

In den USA ist das Ablecken von Kröten mittlerweile verboten – das Halten in Terrarien bleibt aber erlaubt. Nationalparks sehen sich gezwungen, Hinweisschilder anzubringen: Bitte keine Kröten lecken. Zwar seien die in Deutschland heimischen Kröten nicht oder nur schwach giftig. Doch der billige Rausch, den sie erzeugen, sei nicht kalkulierbar, warnt der Pharmakologe und Toxikologe Professor Dr. Holger Barth vom Universitätsklinikum Ulm.

Insbesondere die in Australien und den USA lebende Aga-, die in den USA vorkommende Coloradokröte sowie der heimische Feuersalamander produzieren Giftstoffe zum Schutz vor Fressfeinden, Bakterien und Pilzen. Die Giftstoffe sind im Schleim eingebettet, den die Amphibien absondern und der entweder den ganzen Körper bedeckt oder sich in einem weißlichen Sekret im Nacken der Tiere befindet (Coloradokröte).

Enthalten sind vor allem Bufotoxine, die eine Digitalis-ähnliche Wirkung entfalten. Der Schleim der Aga- und Coloradokröten enthält zusätzlich ein Halluzinogen-Gemisch. Enthalten sind unter anderem Bufotenin, Dimethyltryptamin und 5-Methoxymonomethyltryptamin, die eine chemische Ähnlichkeit zu Lysergsäurediethylamid (LSD) aufweisen.

Lebensbedrohliche Vergiftungen

Die psychogene Wirkung setzt ungefähr 30 Minuten nach dem Schlecken ein und wird ähnlich einem LSD-Rausch beschrieben: Euphorie, Enthemmung, Wahrnehmung von Farben und Lichteffekten, aber auch Verwirrung, Schwindel, Kopfschmerz, Übelkeit und Erbrechen.

»Da man aber – wie bei allen Rauschmitteln aus Tieren, Pflanzen oder Pilzen – nicht abschätzen kann, wie hoch konzentriert Giftstoffe und berauschende Substanzen im Krötensekret vorliegen, kann es zu Vergiftungen mit lebensbedrohlichen Komplikationen wie starkem Blutdruckanstieg und Herzrhythmusstörungen bis hin zum Herzstillstand kommen«, wie Barth in einer Mitteilung der Universität betonte. Der Gebrauch tierischer Halluzinogene sei daher eine durchaus gefährliche Angelegenheit. Vom Konsum rät er daher dringend ab.

Auch in Deutschland sei der Trend vom Krötensekret angekommen, bisher aber noch nicht in klinisch relevantem Ausmaß, wie es heißt. Der Handel mit den giftigen Kröten ist aber legal, da das Betäubungsmittelgesetz diesen sowie den Konsum von Krötengift nicht umfasst.

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