| Annette Rößler |
| 06.07.2026 18:00 Uhr |
Gliome sind Hirntumoren, die von Gliazellen ausgehen. In den allermeisten Fällen sind bestimmte Gene mutiert, die das Tumorwachstum begünstigen. / © Getty Images/Andrew Brookes
Gliome sind meist unheilbare Hirntumoren, die operativ nur schwer vollständig entfernt werden können und auf Chemo- oder Strahlentherapie nicht gut ansprechen. Beim Astrozytom, der häufigsten Form des Glioms, liegen häufig bestimmte Mutationen in einem der Gene vor, die für die Isocitrat-Dehydrogenase (IDH) 1 oder 2 codieren. Dies führt dazu, dass die IDH, ein Schlüsselenzym des Citratzyklus, nicht richtig funktioniert, was letztlich das Tumorwachstum begünstigt.
Mit Vorasidenib (Vorangio®) steht seit 2025 ein Kinasehemmer zur Verfügung, der bei Patienten mit Astrozytomen oder Oligodendrogliomen vom Grad 2 mit einer IDH1-R132-Mutation oder einer IDH2-R172-Mutation eingesetzt werden darf. Wie ein Team um Dr. Lukas Bunse vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg aktuell im Fachjournal »Nature Cancer« schreibt, sei dieser Ansatz in frühen Stadien zwar wirksam, ein Fortschreiten der Erkrankung jedoch unausweichlich und diese in Grad 3 oder 4 schließlich nicht mehr heilbar.
Die Forschenden berichten in der Publikation über die Ergebnisse einer Phase-I-Studie mit einem Peptidimpfstoff, der gegen die mutierte IDH1-R132H gerichtet ist. 33 Patienten mit neu diagnostiziertem Gliom vom Grad 3 oder 4, das diese Mutation aufwies, erhielten in der Studie die Vakzine zusätzlich zur Standardtherapie aus Operation, Strahlen- und Chemotherapie.
Nach bis zu acht Jahren Nachbeobachtung waren 66 Prozent der Teilnehmenden noch am Leben. In früheren Studien hatte die mittlere Überlebenszeit oft bei etwa 2,5 bis 5 Jahren gelegen. Bei 42 Prozent der Probanden war die Erkrankung während des Beobachtungszeitraums nicht fortgeschritten. Diejenigen Teilnehmenden mit einer dauerhaften Antikörperantwort auf die Impfung hatten dabei die besten Langzeitprognosen.
Laut einer Mitteilung des DKFZ deuten erste Beobachtungen darauf hin, dass Booster-Impfungen die Immunantwort auch Jahre später wieder verstärken können. In einer randomisierten Phase-II-Studie soll der Impfstoff nun weiter untersucht werden. »In der Phase-I-Studie wird primär die Sicherheit und die Immunreaktion untersucht. Bei Rückschlüssen zur Wirksamkeit ist Vorsicht geboten, da die Studie keine Kontrollgruppe hat. Dennoch liefern die Ergebnisse starke Hinweise auf einen klinischen Nutzen«, sagt Bunse.