Oliver Blatt ist Vorstandsvorsitzender des GKV-Spitzenverbandes und warnt vor den steigenden Ausgaben der Krankenkassen. / © GKV-Spitzenverband
Die Krankenkassen haben das Jahr 2025 mit einem Überschuss von 3,5 Milliarden Euro abgeschlossen. Der Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenversicherung bestätigte auf Anfrage einen entsprechenden Bericht der »Neuen Osnabrücker Zeitung«. Doch gebe es »null Grund zur Entwarnung«, sagte der Vorstandsvorsitzende Oliver Blatt.
Die Ausgaben der gesetzlichen Krankenversicherung stiegen demnach im vergangenen Jahr um 7,9 Prozent. Die beitragspflichtigen Einnahmen hätten hingegen nur um 5,3 Prozent zugenommen. Ohne die Beitragserhöhungen zum Jahreswechsel 2024/2025 hätten die Krankenkassen die Ausgaben nicht finanzieren können, erklärte der Spitzenverband.
Derselbe Effekt werde nach Prognose des GKV-Schätzerkreises in diesem Jahr eintreten: Der Ausgabenanstieg werde mit 6,6 Prozent über dem erwarteten Anstieg der beitragspflichtigen Einnahmen von 4,9 Prozent liegen. Die erwartete Lücke werde nur durch die Beitragsanhebungen zum 1. Januar 2026 geschlossen.
Christos Pantazis, gesundheitspolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, betont angesichts dieser Zahlen, dass das GKV-System aktuell vor allem ein Ausgabenproblem hat. »Entscheidend ist daher, dass wir die notwendigen Strukturreformen konsequent vorantreiben. Nachhaltige finanzielle Stabilität erreichen wir nicht durch kurzfristige Sparprogramme, sondern durch eine kluge Modernisierung der Versorgungsstrukturen«, so der Sozialdemokrat.
Die Bundesregierung arbeite daher an mehreren großen Projekten wie die Krankenhausreform. »Unser Ziel bleibt klar: Wir wollen die gesetzliche Krankenversicherung langfristig stabilisieren und weitere Belastungen für die Beitragszahlerinnen und Beitragszahler – insbesondere mit Blick auf das Jahr 2027 – vermeiden. Wer die Finanzen der GKV dauerhaft sichern will, muss die Versorgungsstrukturen modernisieren. Strukturpolitik ist deshalb immer auch Finanzpolitik«, erklärt Christos Pantazis.
Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) plant wegen der erwarteten Milliardenlücke tiefgreifende Reformen. Vorschläge dafür soll eine damit beauftragte Kommission Ende März vorlegen.