| Laura Rudolph |
| 29.01.2026 09:00 Uhr |
KI kann Studierenden und Schülern dabei helfen, kurzfristig bessere Lernleistungen zu erzielen. Fällt die KI-Unterstützung in Prüfungen dann weg, kann sich der Effekt allerdings umkehren. / © Getty Images/ jacoblund
Die Autoren des Berichts »OECD Digital Education Outlook 2026« sprechen in diesem Zusammenhang von »Metacognitive Laziness«, was mit geistiger Trägheit übersetzt werden kann. Gemeint ist die Tendenz, tiefgründiges Lernen oder anstrengendes Denken zu vermeiden und stattdessen oberflächliche Lösungen zu akzeptieren beziehungsweise zu bevorzugen. Häufiges »Auslagern« von Denkaufgaben an eine KI kann daher langfristig das nachhaltige Lernen erschweren.
Die Autoren stützen sich dabei auf eine türkische Studie mit Schülern der Sekundarstufe. Lernende, die generische KI-Chatbots nutzen durften, erzielten bei Übungsaufgaben deutlich bessere Ergebnisse als jene, die eigenständig arbeiteten – ihre Leistung stieg mit KI-Unterstützung um 48 Prozent. In der Prüfungssituation, in der beide Gruppen ohne KI auskommen mussten, kehrte sich das Bild jedoch um: Die Schüler, die zuvor ohne KI gelernt hatten, lagen klar vorn und schnitten durchschnittlich um 17 Prozent besser ab. Das deutet darauf hin, dass Wissen, das ohne KI erworben wurde, tiefer verankert ist.
Dennoch betonen die Autoren, dass nicht jede KI gleich ist und ihr Einsatz im Lehrbetrieb nicht per se problematisch ist. Wird KI »mit klarem pädagogischem Ziel« eingesetzt – also eine, die speziell für Bildungszwecke entwickelt wurden – kann sie einen nachhaltigen Lernfortschritt ermöglichen. Dazu zählen etwa intelligente Tutorensysteme, »die in der Lage sind, durch natürliche, dialogbasierte Interaktionen Fragen zu stellen, Anstöße zu geben und Strategien zu ändern«. Solche Systeme fordern Lernende heraus und können personalisiertes Lernen und kreative Zusammenarbeit fördern.
Parallel dazu hält generative KI zunehmend Einzug in die wissenschaftliche Arbeit – mit spürbarem Potenzial auch für die Bildungsforschung, so die Autoren. Seit dem Start von ChatGPT griffen immer mehr Forschende auf entsprechende Tools zurück, um Feedback zu Manuskripten zu erhalten oder sich in allen Phasen des wissenschaftlichen Arbeitens unterstützen zu lassen.
Auch im Hochschul- und Schulmanagement verändert die Technologie die Abläufe, betonte die OECD. KI kann zahlreiche administrative Prozesse im Hintergrund effizienter gestalten. Sie unterstützt etwa die Entwicklung standardisierter Prüfungsaufgaben, prüft die Übereinstimmung von Lehrplänen oder verschlagwortet und kategorisiert Lern- und Lehrmaterialien.
Während generative KI rasant an Einfluss gewinnt, stellt sich zunehmend die Frage, wie Bildungssysteme diesen Wandel verantwortungsvoll gestalten können. Die Autoren des OECD‑Berichts betonen, dass Regierungen und Bildungseinrichtungen klare Rahmenbedingungen schaffen müssen, damit KI Lernprozesse unterstützt, ohne die Entwicklung zentraler Fähigkeiten zu schwächen. Lehrkräfte sollen Lernende gezielt darin fördern, grundlegende fachliche Kompetenzen und kritisches Denken aufzubauen – Fähigkeiten, die weiterhin aus eigener geistiger Anstrengung entstehen. KI bleibt dabei ein Werkzeug, das Lernprozesse erweitert, nicht ersetzt. Da gängige generative KI‑Modelle nicht für pädagogische Zwecke entwickelt wurden, plädiert der Bericht zudem für stärkere Investitionen in spezielle Bildungs‑KI.