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Amazon 
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KI-gestützer Assistent soll Medikamente verwalten

Der Onlinehändler Amazon will mit einem KI-gestützten Gesundheitsassistenten eine personalisierte Gesundheitsberatung rund um die Uhr anbieten. Er soll unter anderem Medikamente verwalten und Laborwerte auswerten.
AutorKontaktMelanie Höhn
Datum 27.01.2026  10:00 Uhr

Der US-Konzern Amazon weitet seine Aktivitäten im Gesundheitssektor immer mehr aus. Erst kürzlich wurde bekannt, dass Amazon Pharmacy durch ein neues Kiosksystem US-amerikanischen Patientinnen und Patienten unmittelbar nach dem Arzttermin Medikamente verkaufen will. In Deutschland ist der Apothekenumsatz auf Amazon laut einer Studie im Jahr 2025 gegenüber dem Vorjahr um 21 Prozent auf knapp 500 Millionen Euro gewachsen (2024: 410 Millionen Euro).

Nun will Amazon mit einem KI-gestützten Gesundheitsassistenten eine personalisierte Gesundheitsberatung auf Basis medizinischen Daten rund um die Uhr anbieten. Er soll Patientinnen und Patienten mit Ärztinnen und Ärzten verbinden, Termine vereinbaren, Medikamente verwalten oder Laborwerte auswerten, wie aus einer Mitteilung des Unternehmens hervorgeht. »Health AI« sei ab sofort für »Amazon One Medical«-Mitglieder per App verfügbar.

Die App nutze personalisierte Einblicke aus medizinischen Daten, Laborergebnissen und aktuellen Medikamenten. Gespräche mit dem KI-Gesundheitsassistenten werden laut Amazon nicht automatisch in die Patientenakte aufgenommen. Die Gesundheitsdaten seien durch strenge administrative, physische und technische Sicherheitsvorkehrungen geschützt, darunter Verschlüsselungstechnologie und strenge Zugriffskontrollen. Zudem verkaufe Amazon keine personenbezogenen Daten seiner Mitglieder, einschließlich geschützter Gesundheitsdaten.

»Im Gegensatz zu allgemeinen Gesundheitsinformationstools versteht ›Health AI‹ Ihren medizinischen Kontext, ohne dass Sie Ihre persönlichen Daten manuell von verschiedenen Gesundheitsdienstleistern und -diensten hochladen müssen«, hieß es weiter von Amazon.

KI empfiehlt passende Behandlungsstufe

Der KI-Assistent wird von »One Medical«, einem von Amazon betriebenen Gesundheitsdienst, angeboten und wurde von diesem entwickelt.

In die KI seien laut Amazon zahlreiche Sicherheitsvorkehrungen und klinische Protokolle, insbesondere für Notfälle und sensible klinische Situationen, integriert worden. Die Gesundheits-KI erkenne, wann Symptome, Situationen oder spezifische Anfragen menschliche klinische Expertise erfordern oder davon profitieren würden, erklärte der Versandriese weiter. Meldet ein Mitglied beispielsweise besorgniserregende Symptome oder erfüllt es bestimmte klinische Kriterien, die eine persönliche Untersuchung notwendig machen, empfiehlt die Gesundheits-KI die passende Behandlungsstufe und vereinbart gegebenenfalls einen virtuellen oder persönlichen Termin – oft noch am selben oder am nächsten Tag, bei Bedarf auch innerhalb weniger Minuten. 

»Gesundheit verstehen«

»Das US-amerikanische Gesundheitssystem ist fragmentiert, da jeder Anbieter nur einen Teil Ihrer Gesundheitsdaten kennt«, so Neil Lindsay, Senior Vice President von Amazon Health Services. »Die KI-gestützte Gesundheitsversorgung in der ›One Medical‹-App verknüpft all Ihre persönlichen Gesundheitsinformationen und liefert Ihnen so ein umfassenderes Bild. Sie hilft Ihnen, Ihre Gesundheit zu verstehen.«

Amazon erklärte, dass die KI darauf ausgelegt sei, die »Beziehung zwischen Patienten und ihren Gesundheitsdienstleistern zu ergänzen – nicht zu ersetzen«. Auch mit zunehmender Leistungsfähigkeit der KI »bleibt die über Jahre gewachsene und auf gemeinsamer Menschlichkeit basierende Beziehung zwischen Patient und Arzt von entscheidender Bedeutung und unersetzlich«, sagte Andrew Diamond, Chief Medical Officer bei One Medical. 

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