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US-Studie
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Keine Assoziation zwischen Semaglutid und Suizidgedanken

Derzeit prüft die Europäische Arzneimittelagentur (EMA), ob es unter der Anwendung des Diabetes- und Adipositas-Medikaments Semaglutid und verwandter Arzneistoffe zu suizidalen Gedanken oder Verhalten kommt. Der Bericht steht noch aus. Währenddessen fand eine US-Analyse keinen Zusammenhang beziehungsweise sogar ein erniedrigtes Risiko.
AutorKontaktDaniela Hüttemann
Datum 09.01.2024  18:00 Uhr

Im Juli 2023 startete der Pharmakovigilanz-Ausschuss (PRAC) der EMA eine Sicherheitsbewertung zum Risiko für suizidale Gedanken sowie Gedanken an Selbstverletzungen unter Therapie mit GLP-1-Rezeptoragonisten wie Semaglutid (Ozempic® und Wegovy®) und Liraglutid (Saxenda®). Den Ausschlag gaben entsprechende Berichte aus Island. Die Arzneistoffe sind seit 2018 beziehungsweise 2009 in Deutschland auf dem Markt; zuerst nur in der Indikation Typ-2-Diabetes, mittlerweile auch bei Adipositas. Bislang sind Suizidalität und suizidale Gedanken nicht in den Fachinformationen aufgeführt.

Ein Ergebnis der Überprüfung wurde für den November 2023 erwartet. Der PRAC teilte jedoch mit, dass bislang keine Schlussfolgerung über einen kausalen Zusammenhang gezogen werden könne. Es gebe noch offene Fragen, die den Zulassungsinhabern aller GLP-1-Analoga-haltiger Präparate gestellt werden sollten.

Derweil haben US-Forschende in einer retrospektiven Kohortenstudie die elektronischen Patientenakten von rund 240.000 Menschen mit Adipositas und fast 1,6 Millionen Menschen mit Typ-2-Diabetes ausgewertet. Dabei verglichen sie das Auftreten suizidaler Gedanken unter Semaglutid versus andere, nicht GLP-1-basierte  Arzneistoffe.

Tatsächlich fanden sie sogar ein niedrigeres Risiko unter Semaglutid gegenüber anderen Adipositas-Medikamenten, sowohl für einmalige als auch wiederkehrende suizidale Gedanken. Die Hazard Ratios lagen bei 0,27 und 0,44, berichten die Forschenden der Universität Cleveland und des National Institute on Drug Abuse aktuell in »Nature Medicine«. Dabei gab es keine Unterschiede zwischen den Geschlechtern, Altersgruppen und verschiedenen Ethnien. Ähnliche Ergebnisse gab es im Vergleich mit anderen Antidiabetika.

Es bleibt abzuwarten, ob der PRAC zu einem ähnlichen Ergebnis anhand des Spontanmeldesystems, Studiendaten und der Fachliteratur sowie der angefragten Hersteller-Daten kommen wird. Das Thema steht erst wieder im April auf der Tagesordnung. Vorher wird es wohl keine endgültige Entwarnung geben.

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