Pharmazeutische Zeitung online Avoxa
whatsApp instagram facebook bluesky linkedin xign

KBV-Vertreterversammlung
-
Kassenärzte warnen vor »Laienmedizin« in Apotheken

Bei der Vertreterversammlung der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) wurde erneut scharfe Kritik an der geplanten Apothekenreform geübt. Die Ärzte warnten dabei unter anderem vor »Laienmedizin« in Apotheken und warfen der Regierung Desinteresse gegenüber dem ambulanten Sektor vor. 
AutorKontaktLukas Brockfeld
Datum 11.03.2026  12:30 Uhr

Am 6. März fand die Sitzung der Vertreterversammlung der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) in Berlin statt. Die von der Körperschaft veröffentlichten Redemanuskripte zeigen, dass sich die KBV-Vorstände mehrfach zur geplanten Apothekenreform äußerten. 

Der Vorstandsvorsitzende der KBV, Andreas Gassen, empörte sich in seinem Bericht an die Vertreterversammlung über die Sparvorschläge der Krankenkassen, die auch Einsparungen bei den Praxen beinhalten. »Auf der anderen Seite scheint es kein Problem zu sein, die Ausgaben im Krankenhaussektor ungebremst laufen zu lassen und den Apotheken eine Milliarde Euro zusätzliches Honorar beim Packungsfixum zu kredenzen«, behauptete der KBV-Chef. 

Gassen sprach auch über das von der Regierung geplante Primärversorgungssystem und warf der Politik vor, kein Interesse mehr an ambulanter Versorgung durch Ärzte und Psychotherapeuten zu haben. »Wie viel besser geht das alles doch mit Laienmedizin in Apotheken und Discountern, und den Rest macht die Community Health Nurse mit freundlicher Unterstützung der KI im digitalen Vorzeigeland Deutschland«, sagte der Mediziner. Die immer weiter steigenden Krankenkassenbeiträge flössen nicht in die ambulante Versorgung, sondern in den »überblähten Sozialstaat«. 

Ärzte sehen »grobe Ungleichbehandlung«

KBV-Vorstandsmitglied Sibylle Steiner ging in ihrem Bericht ausführlicher auf das geplante Apothekenversorgungs-Weiterentwicklungsgesetz (ApoVWG) ein. Steiner erneuerte die scharfe Kritik der KBV: »Hier werden nicht nur die Kriterien der evidenzbasierten Versorgung über Bord geworfen, sondern auch der Arbeitsaufwand in den Praxen wird gesteigert durch anlassloses Testen und Beratungen in den Apotheken zum Beispiel zu kardiovaskulären Risiken. Und dies alles ohne Mehrwert für Patientinnen und Patienten.«

Auch von der im ApoVWG vorgesehenen Abgabe verschreibungspflichtiger Medikamente ohne ärztliche Verordnung, als Selbstzahlerleistung und unter strengen Vorgaben, hält Steiner nichts. »Wir wissen jetzt schon, was passieren wird: Patientinnen und Patienten kommen dann im Nachhinein in die Praxen, um sich doch noch ein Rezept ausstellen zu lassen, damit sie die Kosten nicht selbst tragen müssen. Solche Diskussionen dürfen nicht in die Praxen getragen werden.«

Die KBV stört sich auch daran, dass mit der Reform Nullretaxationen aufgrund von Formfehlern bei Rezepten für Apotheken abgeschafft werden sollen, nicht aber für Ärzte. »Regressrisiken im Zusammenhang mit Impfungen werden für die Vertragsärzteschaft nicht gestrichen. All das ist eine grobe Ungleichbehandlung!«, klagte Steiner. 

Die Bundesregierung habe im Koalitionsvertrag versprochen, eine Bagatellgrenze von 300 Euro bei Wirtschaftlichkeitsprüfungen einzuführen. Damit würden laut Steiner zwei Drittel aller Einzelfallanträge im Arzneimittelbereich entfallen und auch die Abrechnungsprüfungen um mehr als die Hälfte reduziert. »Diese Bagatellgrenze ist sinnvoll und sie ist längst überfällig. Dass sie im Apothekenversorgungs-Weiterentwicklungsgesetz wieder nicht vorgesehen ist, ist für die Politik eine verpasste Chance«, sagte die KBV-Vorständin. 

Mehr von Avoxa