Es brauche eine differenzierte Vergütung, damit Menschen in Städten und auf dem Land gleichermaßen gut versorgt sind. »Es macht einen großen Unterschied, ob täglich mehrere hundert Menschen in einer Apotheke im Hamburger Hauptbahnhof oder nur ein Bruchteil davon in der Apotheke in der Uckermark ihr Rezept einlösen. Für eine faire leistungsgerechte Neuausrichtung der Apothekenvergütung muss es erstens möglich sein, das Packungsfixum für wirtschaftlich starke Apotheken im Vergleich zur aktuellen Höhe abzusenken. Und zweitens muss der variable Anteil der Apothekenvergütung, so wie bereits heute bei der Großhandelsvergütung der Fall, gedeckelt werden«, erklärt die stellvertretende Vorsitzende des GKV-SV.
Trotz des seit Jahren anhaltenden dramatischen Apothekensterbens sieht Stefanie Stoff-Ahnis keine wirtschaftliche Notlage der Apotheken: »Trotz der Konkurrenz durch die Versandapotheken arbeiten so viele Menschen wie noch nie in den Apotheken und auch deren Umsatz steigt schon allein aufgrund der steigenden Arzneimittelausgaben der gesetzlichen Krankenkassen Jahr für Jahr. Die Anzahl der Mitarbeitenden in Apotheken ist von 139.000 im Jahr 2005 auf 162.000 im Jahr 2024 angestiegen«, so die GKV-SV Vize.
Die Versorgung durch Apotheken sei also nicht weniger geworden, sondern habe sich durch die Entscheidung der Apothekeninhaber auf weniger Standorte konzentriert. »Da ein Teil der Apothekenvergütung an den Medikamentenpreisen hängt, steigt auch die Vergütung der Apotheken laufend an. Bei genauer Betrachtung ist die wirtschaftliche Situation der Apothekeneigentümer insgesamt ziemlich gut«, behauptet Stefanie Stoff-Ahnis.
Ähnlich äußert sich auch die Vorstandsvorsitzende des AOK-Bundesverbandes, Carola Reimann. Auch Reimann warnt vor den Kosten die durch eine Anhebung des Apothekenfixums entstehen würden. »Das wären rund 1 Milliarde Euro, die die Solidargemeinschaft zusätzlich finanzieren müsste. Gleichzeitig ist für das kommende Jahr ein GKV-Finanzloch von 12 Milliarden Euro prognostiziert. Wer jetzt die schnelle Erhöhung des Fixums fordert, muss auf der anderen Seite auch entsprechende Einsparvorschläge machen, zum Beispiel beim preisabhängigen Zuschlag in der Höhe von drei Prozent des Apothekeneinkaufspreises«, sagt die AOK-Chefin.
Auch die geplanten neuen pharmazeutischen Dienstleistungen könnten nach Ansicht der Ortskassen teuer werden. »Nach den bisherigen Plänen würde ein solcher Ausbau des Leistungsspektrums von Apotheken auch völlig losgelöst vom geplanten Primärversorgungssystem erfolgen. Durch die mangelnde Vernetzung zwischen Apotheken und Vertragsärztinnen und Vertragsärzten drohen unübersichtliche Behandlungspfade, doppelte Leistungserbringung und unnötige Mehrausgaben für die gesetzlichen Krankenkassen«, kritisiert Reimann. Impfungen in Apotheken bewerte man allerdings positiv, da sie bei der Erhöhung der Impfraten helfen könnten.
Die AOK bemängelt außerdem, dass die Reform die Möglichkeiten der Digitalisierung nicht voll ausschöpfe. »Gerade auf dem Land und außerhalb der Öffnungszeiten könnten apothekenbetriebene dezentrale Abgabeautomaten eine gute Ergänzung zur Sicherung der Versorgung sein«, so Reimann.