| Cornelia Dölger |
| 14.01.2026 13:49 Uhr |
Durch die Zunahme an Hochpreisern sieht der GKV-Spitzenverband einen hohen Profit für Apotheken. Das machte er unlängst in einem Video deutlich, jetzt zog auch Verbandssprecher Florian Lanz nach. / © Imago/NurPhoto
Erst kürzlich hatte der Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV-SV) ein Video auf der Plattform Linked In repostet, das die Apothekenvergütung skizzieren soll. »Wichtigster Posten« bei den Apothekeneinnahmen sei die 3-Prozent-Marge auf den Apotheken-Einkaufspreis, heißt es darin. Schnell ist man bei den hochpreisigen Medikamenten und schlussfolgert aus der Tatsache, dass diese in den vergangenen zehn Jahren vermehrt auf den Markt gekommen sind, dass es den Apotheken wirtschaftlich gut gehen müsse; immerhin steige der Nettoumsatz stetig. »Je höher der Einkaufspreis ist, desto mehr Geld erhält die Apotheke«, heißt es in dem Video. Die riskante Vorfinanzierung sowie anhaltende Kostensteigerungen werden nicht erwähnt.
Mit Blick auf das anhaltende Apothekensterben zieht der Verband nun wieder diese Karte. Der Nachrichtenagentur AFP sagte Verbandssprecher Florian Lanz, dass »bei genauer Betrachtung« die wirtschaftliche Situation der Apothekeneigentümer »insgesamt ziemlich gut« sei. Weil ein Teil der Vergütung an die Medikamentenpreise gekoppelt sei, steige sie laufend, so Lanz. Und damit steige auch der Umsatz »Jahr für Jahr«.
Die Befürchtung, dass mit weniger Apotheken die Versorgung gefährdet sei, teilt Lanz nicht. Die Versorgung sei »nicht weniger geworden, sondern hat sich durch die Entscheidung der Apothekeninhaber auf weniger Standorte konzentriert«. Zudem gebe es bei den Beschäftigtenzahlen Rekordwerte. »Trotz der Konkurrenz durch die Versandapotheken arbeiten so viele Menschen wie noch nie in den Apotheken.«
Dass das Apothekensterben nach Darstellung des Verbands also quasi auf einer freiwilligen Entscheidung der Inhabenden beruht und nicht aus wirtschaftlicher Not rührt, dürfte die Apothekenteams vor den Kopf stoßen; ohne eine wirtschaftliche Stabilisierung lohnt sich die Aufrechterhaltung des Betriebs immer seltener. Dass Handlungsbedarf besteht, hat die Politik erkannt. Im Koalitionsvertrag wird ein auf 9,50 Euro erhöhtes Fixum in Aussicht gestellt. Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) weiß um die Dringlichkeit und will dem Versprechen nachkommen – bislang liegt der Plan allerdings auf Eis.