Apotheke ohne Apotheker? Die Apothekenreform sieht derzeit vor, dass zeitweise auch PTA eine Apotheke leiten dürfen. Die Apothekerschaft kritisiert dies als eine Schwächung des Apothekerberufs. / © Getty Images/Sigrid Gombert
Mit der politischen Kampagne »Null Apotheker, null Lösung« will die Bayerische Landesapothekerkammer (BLAK) auf die Problematik einer Apotheke ohne Apotheker hinweisen. Hintergrund ist, dass das Apothekenversorgung-Weiterentwicklungsgesetz (ApoVWG) derzeit eine »Erprobungsregelung« zur befristeten Vertretung von Apothekenleiterinnen und Apothekenleitern durch Pharmazeutisch-technische Assistentinnen und Assistenten (PTA) in ländlichen Regionen vorsieht.
Franziska Scharpf, Präsidentin der Bayerischen Landesapothekerkammer, warnt: »Die geplante PTA-Vertretungsregelung schwächt die Rolle der Apothekerin beziehungsweise des Apothekers als akademischer Heilberuf und rüttelt zudem an der Freiberuflichkeit. Zudem gefährdet sie die Arzneimitteltherapiesicherheit und das apothekenrechtliche Fremdbesitzverbot. Deshalb muss die PTA-Vertretungsregelung zwingend ersatzlos aus dem Gesetzentwurf gestrichen werden.«
Die Verantwortung für die Leitung einer Apotheke müsse auch künftig allein bei approbierten Apothekerinnen und Apothekern liegen und könne nicht »beliebig« übertragen werden, teilte die Kammer heute mit. Die ständige Anwesenheit eines oder einer Approbierten im laufenden Apothekenbetrieb sei unerlässlich für eine sichere und vollumfängliche Versorgung der Bevölkerung mit Arzneimitteln.
Gleichwohl bekräftigt die Kammer, PTA seien durch ihre Berufsfachausbildung hochqualifizierte Fachkräfte und tragende Säulen im Apothekenteam. Den Mangelberuf »Apotheker« jedoch durch einen ebenfalls unter Beobachtung stehenden und in der Vergangenheit bereits als Mangelberuf deklarierten PTA-Beruf zu ersetzen, sei schlichtweg der falsche Weg.
»PTA dürfen nicht zur Notlösung für politische oder wirtschaftliche Versäumnisse gemacht werden, sondern verdienen echte Weiterqualifizierungs- und Aufstiegsmöglichkeiten«, so Scharpf weiter. »Apothekerinnen und Apotheker sind für viele Patientinnen und Patienten die erste und zugleich letzte fachliche Instanz, bevor ein Arzneimittel angewendet wird – darauf verlassen sich auch Ärztinnen und Ärzte sowie die weiteren Heilberufe.«
Die Kampagne soll nach Angaben der BLAK mit Social-Media-Posts und digitalen Anzeigen die Unterschiede zwischen Apotheker- und PTA-Beruf verdeutlichen und auf die drohende Schwächung der Arzneimitteltherapie- und Patientensicherheit in Folge des Regelungsvorhabens des Bundesgesundheitsministeriums hinweisen. Zudem will die Kammer damit auf die grundsätzliche Gefährdung des unabhängigen, resilienten Systems der freien akademischen Heilberufe hinweisen.
Zugleich soll damit aber auch die Wertschätzung gegenüber dem PTA-Beruf verdeutlicht werden, unterstreicht die Kammer. Denn auch aufseiten der PTA bestehe der Wunsch nach einer Weiterentwicklung des Berufsbildes, jedoch nicht als Notlösung und ohne die entsprechende Möglichkeit zur Weiterqualifizierung.