| Jennifer Evans |
| 26.03.2026 15:00 Uhr |
Stricken statt feiern: Der Trend, dass junge Menschen sich zuhause zurückziehen, bewerten Experten als Schutzmechanismus. / © PZ/generiert mit KI
Junge Menschen der Generation Z verhalten sich zunehmend wie ihre eigenen Großeltern. Statt Bars, Clubs oder Festivals zu besuchen, bevorzugen sie Spaziergänge, Backen, Stricken, Teekränzchen – und sogar Kreuzfahrten. Dieses Phänomen nennt sich Granny Style und beinhaltet ein bewusst langsameres, gemütlicheres und unaufgeregteres Lebensgefühl, das Entlastung verspricht. Zu diesem Ergebnis kommt die Jugendtrendstudie 2026, die der Lehrstuhl für Schulpädagogik der Universität Augsburg gemeinsam mit dem Institut für Generationenforschung Anfang des Jahres durchgeführt hat.
Der Trend, den vor allem junge Frauen leben, romantisiert das Zuhausebleiben, den Rückzug und das frühe Schlafengehen. Dabei geht es den zwischen 1995 und 2009 Geborenen nicht darum, ihre Großmütter zu imitieren, sondern einzelne Tätigkeiten und Routinen in den eigenen Alltag zu integrieren und kleine Dinge bewusst zu zelebrieren.
Der Granny Style wird so zu einem Gegenentwurf zu dem Gefühl, ständig verfügbar sein und performen zu müssen – ein Gefühl, das vor allem durch den permanenten Social-Media-Konsum entsteht. Die dauernde Informations- und Aktionsflut prägt inzwischen auch die nachfolgende Generation, die zwischen 2010 und 2024 geborenen Alphas.
Studienleiter Dr. Rüdiger Maas liefert eine wissenschaftliche Erklärung für den Retro-Lebensstil: »Es handelt sich hierbei um eine Art Schutzmechanismus, eine Art der Problemlösung.« Viele Vertreterinnen und Vertreter der Gen Z suchten Räume, die nicht digital und damit kontrollierbarer erscheinen, so der Psychologe und Generationenforscher.
Die Orientierung am analogen Lebensstil der Großmutter beschreiben die Befragten häufig als emotionalen Ausgleich. »Ruhe und Entspannung wird positiv ›geframed‹ und wirkt dadurch gesellschaftlich akzeptierter, beispielsweise indem es akzeptiert ist, nicht ausgehen zu müssen und damit weniger Reizen und weniger Social Overload ausgesetzt sein zu müssen«, heißt es in der Studie.