| Annette Rößler |
| 09.01.2026 07:00 Uhr |
Lachen zu unterdrücken, kann sehr schwierig sein. Doch es gibt Strategien, die mehr oder minder erfolgreich sind. / © Getty ImagesWestend61
In Richard Wagners Oper Parsifal gibt es die Figur der Kundry: eine ewig Verdammte, die ihr Schicksal dem Umstand verdankt, dass sie als junge Frau über Jesus auf dessen Weg zum Kreuz gelacht hat. Unklar bleibt, ob es Teil der Bestrafung ist, dass Kundry während der gesamten Dauer des dritten Aufzugs überhaupt nur zwei Wörter singen darf, sich aber die ganze Zeit auf der Bühne aufzuhalten hat. In jedem Fall wird sie am Ende erlöst – sie stirbt.
Dies ist sicherlich ein extremes Beispiel für unpassendes Gelächter, das man sich besser verkniffen hätte. Doch auch in weniger dramatischen Situationen kann es vorteilhaft sein, ernst zu bleiben, obwohl einem nach lachen zumute ist. Wie stellt man das am besten an? Psychologen der Universität Göttingen um Dr. Vanessa Mitschke haben drei Strategien untersucht und das Ergebnis im Fachjournal »Communications Psychology« veröffentlicht.
Die Versuchsanordnung war folgende: Insgesamt 121 Freiwillige hörten sich Witze an, während ihre Mimik per Gesichts-Elektromyografie (fEMG) aufgezeichnet wurde. Mit dieser Methode lassen sich auch kleinste Regungen der Gesichtsmuskulatur erfassen. Die Aufgabe bestand darin, möglichst nicht zu lachen. Um dies zu verhindern, sollten die Teilnehmenden eine von drei verschiedenen Strategien anwenden. Entweder lenkten sie sich ab, indem sie auf einer Art Wimmelbild bestimmte Objekte suchten, oder sie bewerteten den Witz kognitiv neu, indem sie sich etwa eine alternative, weniger lustige Pointe ausdachten, oder sie versuchten, jede Regung ihres Gesichts durch Konzentration zu unterdrücken.
Humor ist subjektiv – nicht jeder findet jeden Witz gleich lustig. Um dies zu berücksichtigen, sollten die Probanden jeweils angeben, wie lustig sie einen Witz fanden. Die Auswertung des Versuchs zeigte, dass sich vor allem diese Einschätzung durch die kognitive Neubewertung veränderte. Einen neutralen Gesichtsausdruck beizubehalten, gelang den Teilnehmenden aber mit Ablenkung und Unterdrückung sogar noch etwas besser.
Alle drei Strategien kamen jedoch an ihre Grenzen beziehungsweise versagten, wenn die Probanden hörten, wie eine andere Person lachte. »Soziale Signale wie das Lachen anderer machen es viel schwieriger, das eigene Lachen zu kontrollieren. Das ist ein eindrucksvoller Beleg dafür, wie stark unsere Emotionen sozial beeinflusst sind«, erklärt Seniorautorin Professor Dr. Anne Schacht in einer Mitteilung der Universität.
Ganz neu ist diese Erkenntnis nicht: Jeder hat wohl schon einmal die Erfahrung gemacht, dass Lachen äußerst ansteckend sein kann. Meistens ist das ja auch eine schöne Sache. In Situationen, in denen Ernsthaftigkeit gefragt ist, sollte man laut dieser Studie aber tunlichst an etwas anderes denken und gleichzeitig versuchen, seine Mundwinkel zu kontrollieren.