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Apotheken am Kipppunkt
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Jede zehnte Apotheke ist defizitär, ein Drittel in Gefahr

Etwa jede zehnte der noch verbliebenen Apotheken schreibt rote Zahlen, insgesamt ein Drittel ist betriebswirtschaftlich gefährdet – zu dieser Schätzung kommt die Treuhand Hannover anhand der Zahlen des ersten Halbjahres 2023 . Sie warnt, dass der Kipppunkt des Systems erreicht sein könnte.
AutorKontaktDaniela Hüttemann
Datum 08.09.2023  12:10 Uhr

Beschleunigter Abwärtstrend

Allein in der ersten Hälfte dieses Jahres haben 238 Apotheken in Deutschland schließen müssen. »Früher hatten wir solche Schließungszahlen auf das ganze Jahr, es könnte aber noch schlimmer kommen«, prognostizierte Schwintek. Der Abwärtstrend beschleunige sich. Die Treuhand geht für dieses Jahr von insgesamt 410 Schließungen aus – optimistisch geschätzt.

Schwintek vermutet, dass das System nun seinen Kipppunkt erreicht hat. »Das ist kein individuelles Problem, weil jemand schlechte Einkaufskonditionen verhandelt – es besteht dringender Handlungsbedarf bei der Politik«, konstatierte Schwintek. Zwar sei jeder Apothekeninhaber selbst in der Pflicht, Kosten zu minimieren, aber auch die Lohnkostensteigerungen gehen weiter. Das könnten die Apotheken mit dem seit Jahren stagnierenden Honorar nicht mehr stemmen.

Der LAV-Vorstandsvorsitzende Berend Groeneveld zeigte sich bestürzt ob dieser neuen, detaillierten Zahlen. »Hier müssen wir politisch ansetzen.« Die Entwicklungen unterstrichen die Kernforderungen der ABDA an Bundesgesundheitsminister Professor Karl Lauterbach (SPD). »Wir haben einen gesetzlichen Versorgungsauftrag, den wir auch gerne erfüllen möchten, aber das muss uns der Staat dann auch ermöglichen«, so Groeneveld.

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