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Führungsposten
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Ist das Gesundheitswesen Chef- oder Chefinnen-Sache?

Dass der Posten des Gematik-Geschäftsführers wieder mit einem Mann besetzt wurde (wenn auch nur übergangsweise), hat das »Handelsblatt« dazu veranlasst, sich die Geschlechterverteilung in Führungspositionen des Gesundheitswesens näher anzuschauen. Ausgewogen ist das Verhältnis jedenfalls nicht. 
AutorKontaktCornelia Dölger
Datum 14.12.2023  16:00 Uhr

Mitte September wurde öffentlich, dass der derzeitige Gematik-Geschäftsführer Markus Leyck Dieken das Unternehmen zum Jahresende verlässt. Der Notfallmediziner und Internist stand seit Juli 2019 an der Spitze des teilstaatlichen Unternehmens. Nach Angaben des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG) wurde die Stelle bereits im September neu ausgeschrieben. Da solche Verfahren Zeit in Anspruch nähmen, werde eine Interims-Geschäftsführung in der Zwischenzeit die Geschäftsführung übernehmen, hieß es.

Diese Interims-Geschäftsleitung bekommt Florian Hartge, wie jetzt bekannt wurde. Er werde zum 1. Januar 2024 die Geschäftsführung übernehmen, bis eine neue Spitze bestimmt werde, hieß es dazu von der Gematik. Aus der Branche gab es daran Kritik, wie das »Handelsblatt« heute schreibt. Bemängelt werde, dass mit Hartge nun ein weiterer Vorstandsposten bei den Bundesinstituten des Gesundheitsministeriums mit einem Mann besetzt werde. 

Dies nahm das »Handelsblatt« zum Anlass, sich die Geschlechterverteilung bei der Besetzung von Führungsposten im Gesundheitswesen einmal genauer anzuschauen. Demnach gibt es dabei eine deutliche Schieflage. Von 57 Führungspositionen in der Selbstverwaltung, Aufsicht, den europäischen Gesundheitsinstitutionen, der Qualitäts- und Effizienzsicherung, im Geschäftsbereich des BMG und bei den Beauftragten der Bundesregierung sind demnach 26 mit Frauen besetzt – wenn man Susanne Ozegowski als Digitalchefin des BMG mitzähle, listet das Blatt auf.

Alle EU-Gesundheitsinstitutionen haben Chefinnen

Ein anderes Bild ergibt sich demnach aber bei den politischen Spitzenposten. »In den Landesministerien oder als Gesundheitssenatorinnen sind Frauen mit zehn Positionen stärker vertreten als Männer«, heißt es. Und: Die europäischen Gesundheitsinstitutionen werden demnach ausschließlich von Frauen geleitet.

Teil der Wahrheit sei aber auch, dass Bundesinstitute, die nicht die Interessen einer bestimmten Gruppe oder Region vertreten und zur Entscheidungsfindung auf Bundesebene beitragen – etwa das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) und das Robert-Koch-Institut (RKI) –  ausschließlich von Männern geleitet würden.

Über Leyck Diekens Nachfolge ist noch nichts Konkretes bekannt. Eine Doppelspitze gilt aber als sicher

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