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Toleranz trainieren
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Inverse Impfung gegen Autoimmunerkrankungen

Autoimmunerkrankungen stellen eine enorme Belastung sowohl für die Betroffenen als auch für das Gesundheitssystem dar. Obwohl für viele dieser Erkrankungen Therapieoptionen zur Verfügung stehen, müssen teils erhebliche Nebenwirkungen in Kauf genommen werden und an Heilung ist nicht zu denken. Ein neuer Ansatz, der als »inverse Impfung« verstanden werden kann, könnte Abhilfe schaffen.
AutorKontaktTheo Dingermann
Datum 13.09.2023  12:00 Uhr
Eine pGal-Antigen-Therapie verursacht auch Verlust der T-Zell-Immunität bei Primaten

Eine pGal-Antigen-Therapie verursacht auch Verlust der T-Zell-Immunität bei Primaten

Schließlich wollten die Forschenden ihren toleranzinduzierenden Ansatz auch an nicht humanen Primaten testen. Dies wurde dadurch erschwert, dass es kein geeignetes Modell für Autoimmunität bei diesen Tieren gibt. Daher entwickelten die Forschenden ein Modell für eine antigenspezifische Immuntoleranz, indem sie die Tiere mit einem DNA-basierten Impfstoff gegen das Affen-Immundefizienz-Virus (SIV) behandelten. Dieser löst starke T-Zell-Immunantworten gegen die wichtigsten SIV-Proteine, einschließlich Nef, aus.

Anschließend untersuchten die Forschenden, ob sich diese langfristigen T-Zellantworten gegen SIV durch Gabe von pGal-Nef beseitigen ließen. Das Ergebnis: Die mit pGal-Nef behandelten Tiere zeigten einen beschleunigten Verlust der Nef-spezifischen zellulären Immunität. Diese Reaktion hielt für mindestens 13 Wochen nach der Behandlung an. Diese Daten belegen die Fähigkeit des pGal-Antigens, Immuntoleranz in einem endogenen, polyklonalen Antigen-spezifischen Gedächtnis-T-Zell-Repertoire zu induzieren.

Noch ein weiter Weg bis in die klinische Routine

Bisher sind immunsuppressive Therapien Standard zur Behandlung einer Autoimmunerkrankung. »Diese Behandlungen können sehr effektiv sein, aber sie blockieren auch die Immunreaktionen, die zur Abwehr von Infektionen notwendig sind, und daher gibt es viele Nebenwirkungen«, sagt Hubbell in einer Mitteilung der University of Chicago. »Wenn wir Patienten stattdessen mit einem inversen Impfstoff behandeln könnten, könnte dieser viel spezifischer sein und zu weniger Nebenwirkungen führen.«

Um die pGal-Verbindungen in größeren Studien beim Menschen zu untersuchen, ist noch sehr viel mehr Vorarbeit nötig. Aber erste Phase-I-Sicherheitsstudien wurden bereits bei Menschen mit Zöliakie und bei Patienten mit Multipler Sklerose durchgeführt. Der Sponsor dieser Studien ist das Pharmaunternehmen Anokion SA.

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