| Lukas Brockfeld |
| 06.01.2026 15:30 Uhr |
Der vdää* und der VdPP wünschen sich mehr interprofessionelle Zusammenarbeit. / © Adobe Stock/deagreez
Die geplante Apothekenreform hat bei der Ärzteschaft heftige Abwehrreaktionen ausgelöst. Die Mediziner stören sich insbesondere an den geplanten neuen Kompetenzen für Apotheken. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) warnte beispielsweise vor einer »Spirale der Deprofessionalisierung« durch die Reform.
Jetzt haben sich der »Verein demokratischer Ärzt*innen« (vdää*) und der »Verein demokratischer Pharmazeutinnen & Pharmazeuten« (VdPP) in einer gemeinsamen Stellungnahme zu Wort gemeldet. Beide Vereine mahnen, dass die »Konfrontationen« zwischen den Heilberufen überwunden werden müssen. Eine Apothekenreform solle stattdessen neue kooperative Strukturen in der Primärversorgung aufbauen.
Der vdää* und der VdPP kritisieren, dass die bisherigen Stellungnahmen aus der aus der Ärzte- und Apothekerschaft keine Lösungen beinhalten, die für eine Verbesserung der interprofessionellen Zusammenarbeit bei der Arzneimittelversorgung und der Arzneimitteltherapiesicherheit sorgen. »Sie zeigen vielmehr, wie die seit Jahrzehnten auf der Grundlage von überkommenen Hierarchien, Standesdünkel und wirtschaftlichen Interessen fußenden Grabenkämpfe zwischen den Heilberufen weiterverfolgt und Gräben sogar vertieft werden«, heißt es in der Stellungnahme.
Da der Gesetzentwurf der Bundesregierung nichts an der unternehmerischen Ausrichtung der ambulanten Versorgung ändere, werde auch die geplante Reform nichts an der Konfrontation der Heilberufe ändern. »Der Gesetzentwurf schafft sogar neue finanzielle Anreize für Apotheker*innen, im angrenzenden medizinischen Versorgungsbereich neue Einnahmen zu generieren, was geradezu bei freiberuflich und unternehmerisch tätigen Ärzt*innen zu massiven Widerständen führen muss«, schreiben der vdää* und der VdPP.
Die oft unzureichende Arzneimitteltherapiesicherheit führe zu zahlreichen vermeidbaren Todesfällen und Krankenhauseinweisungen. Die Vereine machen dafür eine nur rudimentäre interprofessionelle Zusammenarbeit und Personalmangel mitverantwortlich.
Der vdää* und der VdPP sprechen sich daher für ein Primärversorgungssystem aus, das das Apothekenwesen weiterentwickelt. Anders als die Bundesregierung wünschen sich die Vereine kein Primärarztsystem, sondern den Aufbau von Primärversorgungszentren, in denen interprofessionell zusammengearbeitet wird. Diese Zentren sollen nicht profitorientiert, sondern gemeinnützig arbeiten. »In solchen Strukturen können die jeweiligen heilberuflichen Kompetenzen zur Geltung kommen und Interprofessionalität störungsfreier ausgebaut werden, wie dies beispielsweise in Krankenhäusern zu sehen ist«, heißt es in der Stellungnahme.
Aufgrund des Personalmangels und der sich verschärfenden Versorgungsprobleme sei es notwendig, die medizinische Versorgung auf mehrere Schultern zu verteilen. »Weder ein mit fragwürdigen neuen Aufgabenzuweisungen verschlimmbessertes Apothekenwesen, noch das sture Festhalten an überkommenen vorrangig profitorientierten Versorgungsstrukturen und an ärztlichem Standesdünkel helfen hier weiter«, so der vdää* und der VdPP abschließend.