| Johanna Hauser |
| 09.04.2026 11:00 Uhr |
Eine intensive Senkung des LDL-Cholesterols bringt Patienten nach kardiovaskulären Ereignissen deutliche Vorteile. / © Adobe Stock/Jamrooferpix
Für Patienten mit atherosklerotischen Herz-Kreislauf-Erkrankungen stellt eine Cholesterolsenkung einen wichtigen Eckpfeiler der Sekundärprävention dar. Frühere Leitlinien empfahlen einen LDL-C von weniger als 70 mg/dl als anfängliches Therapieziel. Mittlerweile ist es therapeutisch möglich, den Wert auf unter 55 mg/dl zu senken. Dieser Wert hat Eingang in die Leitlinien gefunden. Bislang fehlten jedoch Studien, die diese Empfehlung untermauern.
Wissenschaftler um Yong-Joon Lee vom Yonsei University College of Medicin in Seoul, Südkorea, verglichen nun den Effekt einer restriktiven LDL-C-Senkung mit einem etwas milderen Regime. Die stärkere Senkung stellte sich dabei als vorteilhaft heraus, wie die Publikation der Ergebnisse im »New England Journal of Medicine« zeigt.
In die Open-Label-Überlegenheitsstudie wurden zwischen Januar 2021 und Juli 2022 insgesamt 3048 Patienten mit atherosklerotischen Herz-Kreislauf-Erkrankungen an 17 Standorten in Südkorea eingeschlossen. Die Teilnehmer wurden zufällig einer Intensivgruppe (1526 Patienten, LDL-Zielwert <55 mg/dl) und einer konventionellen Gruppe (1522 Patienten, LDL-Zielwert <70mg/dl) zugeordnet.
Während der dreijährigen Nachbeobachtungszeit durften die Medikamente nach Bedarf angepasst werden, um die angestrebten LDL-C-Werte zu erreichen. Zuerst sollten das Statin erhöht und Ezetimib ergänzt werden, bevor ein PCSK9-Hemmer in Betracht gezogen wurde. Der primäre Endpunkt bestand aus einer Kombination aus kardiovaskulär bedingten Todesfällen, nicht tödlichem Herzinfarkt/Schlaganfall, jeglicher Revaskularisierung (wie Bypass-Operationen oder perkutane Koronarinterventionen) und Krankenhausaufenthalt wegen instabiler Angina pectoris.
Nach drei Jahren betrug der mittlere LDL-C-Wert in der Intensivgruppe 56 mg/dl. Den Zielwert von <55 mg/dl hatten 60,8 Prozent der Patienten erreicht. In der konventionellen Gruppe betrug der mittlere LDL-C-Wert 66 mg/dl und 68,1 Prozent der Teilnehmer erreichten den angestrebten Wert von <70 mg/dl.
Innerhalb der drei Jahre war in der Intensivgruppe ein primärer Endpunkt bei 6,6 Prozent der Patienten und in der konventionell therapierten Gruppe bei 9,7 Prozent aufgetreten (Hazard Ratio 0,67). Somit war das absolute Risiko für schwerwiegende kardiovaskuläre Ereignisse in der Intensivgruppe um 3,1 Prozentpunkte gesunken. Dieser Rückgang ist klinisch relevant und erklärt sich hauptsächlich durch drei Punkte, die in der Intensivgruppe deutlich stärker ausgeprägt waren:
Betrachtete man ausschließlich die Zusammensetzung aus kardiovaskulärem Tod, Herzinfarkt oder Schlaganfall, war auch hier der Anteil in der Intensivgruppe signifikant geringer (2,3 Prozent gegenüber 3,6 Prozent). Die Sicherheitsprofile in beiden Gruppen waren vergleichbar.