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Sport zur Prävention
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Intensität schlägt Dauer – zumindest oft

Sport kann vielen chronischen Erkrankungen vorbeugen – und besonders wirksam scheint dabei die Intensität der Bewegung zu sein. Bei vier großen Krankheitsgruppen übertrifft ihr Einfluss sogar den Effekt der gesamten Bewegungsdauer.
AutorKontaktLaura Rudolph
Datum 31.03.2026  09:00 Uhr

Es ist gut belegt, dass Sport bei vielen Erkrankungen sowohl die Prävention als auch den Verlauf positiv beeinflussen kann. Dabei scheint jedoch nicht nur die Menge an Bewegung wichtig zu sein, sondern auch deren Intensität. Wie stark der Anteil intensiver Aktivität zur Vorbeugung von acht ausgewählten Erkrankungen beiträgt, hat nun eine neue Beobachtungsstudie aus China untersucht, die kürzlich im »European Heart Journal« erschienen ist.

Für die prospektive Kohortenstudie analysierte das Team um Jiehua Wei von der Central South University in Changsha die Daten von mehr als 400.000 Teilnehmenden der UK Biobank. Bei 96.408 Personen (Durchschnittsalter 61,9 Jahre) wurden die Bewegungsdaten mithilfe eines am Handgelenk getragenen Wearables erfasst, während 375.730 Teilnehmende (Durchschnittsalter 56,2 Jahre) ihre sportlichen Aktivitäten per Fragebogen angaben.

Untersucht wurde die Inzidenz von acht chronischen Erkrankungen: schwerwiegende kardiovaskuläre Ereignisse (MACE), Vorhofflimmern, Typ‑2‑Diabetes, immunvermittelte Entzündungskrankheiten, die metabolisch bedingte Fettleber (MASLD), chronische Atemwegserkrankungen, chronische Nierenerkrankungen und Demenz – sowie die Gesamtmortalität. Mithilfe statistischer Verfahren schätzten die Forschenden anschließend ab, wie viel der beobachteten Risikoreduktion jeweils auf die Intensität der Bewegung und wie viel auf das gesamte Bewegungsvolumen zurückzuführen war.

Kleine Unterschiede, große Effekte

Schon ein kleiner Anteil intensiver Bewegung machte dabei einen deutlichen Unterschied: Wer mehr als 4 Prozent seiner gesamten Aktivitätszeit in intensiver Form trainierte, hatte ein um 29 bis 61 Prozent geringeres Risiko für die acht untersuchten Erkrankungen als Personen ohne intensive Aktivität. Dieser Zusammenhang zeigte sich konsistent über alle Aktivitätsniveaus hinweg.

Besonders ausgeprägt war der Effekt bei immunvermittelten Entzündungserkrankungen: 20,3 Prozent der Risikosenkung entfielen hier auf die Intensität der Bewegung – gegenüber lediglich 1,0 Prozent durch das reine Bewegungsvolumen.

Auch bei Herz‑Kreislauf‑Erkrankungen, Atemwegserkrankungen und Demenz spielte die Intensität eine deutlich größere Rolle als die Gesamtmenge an Bewegung. Bei MACE lag der Anteil der Intensität an der Risikoreduktion bei 17,8 Prozent (versus 6,0 Prozent), bei Vorhofflimmern bei 16,2 Prozent (versus 5,0 Prozent). Für chronische Atemwegserkrankungen betrug der Unterschied 21,4 Prozent versus 5,6 Prozent, bei Demenz 32,3 Prozent versus 8,1 Prozent.

Ein ausgewogeneres Verhältnis zeigte sich bei Typ‑2‑Diabetes (26,6 Prozent versus 17,7 Prozent), MASLD (22,1 Prozent versus 16,6 Prozent), chronischer Nierenerkrankung (23,0 Prozent versus 15,3 Prozent) sowie bei der Gesamtsterblichkeit (31,4 Prozent versus 14,2 Prozent).

Insgesamt deutet die Beobachtungsstudie darauf hin, dass intensivere Bewegung – sofern individuell machbar – ein besonders wirkungsvolles Mittel zur Vorbeugung vieler chronischer Erkrankungen sein kann. »Dazu muss man nicht ins Fitnessstudio gehen«, erklärt Mitautor Professor Dr. Minxue Shen in einer Pressemitteilung. »Kurze, intensive Aktivitätsphasen im Alltag, die Sie leicht außer Atem bringen, können einen echten Unterschied machen. Dazu zählen zum Beispiel zügiges Treppensteigen, schnelles Gehen zwischen Besorgungen oder aktives Spielen mit Kindern. Schon 15 bis 20 Minuten pro Woche dieser Art von Anstrengung – also nur wenige Minuten am Tag – waren mit bedeutenden gesundheitlichen Vorteilen verbunden.«

Shen gab jedoch zu bedenken, dass intensive körperliche Bewegung womöglich nicht für jeden gleichermaßen geeignet ist. Besonders bei älteren Menschen sollte man darauf achten, das Training individuell anzupassen.

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