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Treuhand rät zur Optimierung der Kosten

25.11.1996
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-Wirtschaft & Handel

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Treuhand rät zur Optimierung der Kosten

  Der größte Kostenfaktor in einer Apotheke sind die Personalkosten. Welche Einflußfaktoren und Ansätze zur Optimierung gibt es? Diese Fragen beantworteten Steuerberaterin Ursula Hasan-Boehme und Apothekerin Dr. Jutta Degenhardt von der Treuhand Hannover auf einer Veranstaltung des Treuhand-Verbandes Deutscher Apotheker in Stuttgart.

Durch die betriebswirtschaftliche Grundlagenforschung wolle die Treuhand in erster Linie ihre wirtschaftlichen Beratungsaussagen auf eine gesicherte Basis stellen, erläuterte Hasan-Boehme. Dazu werden apothekenspezifische Daten erfaßt und ausgewertet. Was daran den Apothekenleiter interessiert: Welche Faktoren wirken auf Personalbedarf und -einsatz? "Man kann nicht einfach irgendwo herumholzen", so Hasan-Boehme, es gelte Rationalisierungspotentiale aufzuzeigen, um die Apothekenorganisation optimieren und Strategieempfehlungen zur Verbesserung von Produktivität und Rentabilität aussprechen zu können.

Für den Unternehmer sei es wichtig, sich der Faktoren bewußt zu sein, die seine Personalkosten beeinflussen und prägen. Dazu zählen die Mitarbeiterzahl und -struktur (zum Beispiel Alter), Gehälter, Umsatzhöhe, Umsatzstruktur, Packungsmengen, die Arbeitsabläufe und deren Organisation, sowie Leistungsfähigkeit und Motivation. Anhand der Ergebnisse aus der Grundlagenforschung der Treuhand erläuterte Hasan-Boehme den Einfluß des Handverkaufsanteils auf die Personalkosten sowie auf das Ergebnis: In handverkaufsstarken Apotheken - sie haben meist einen schwachen GKV-Verkaufsanteil - steigen die Personalkosten, gleichzeitig sinkt das Betriebsergebnis, da freiverkäufliche Arzneimittel im Durchschnitt nur halb so teuer sind wie ein zu Lasten der gesetzlichen Krankenversicherung abgegebenes Präparat. Deshalb könne eine Apotheke, der ein Teil des GKV-Anteils weggebrochen ist, diesen Ausfall nur schwer mit Präparaten der Selbstmedikation kompensieren.

In Bezug auf die Mengenbeziehung, das heißt die Arzneimittelpackungen, kann ein Apothekenleiter folgende Schlüsse ziehen: Da die Zahl der Packungen, die ein Mitarbeiter im Arbeitsablauf einer Apotheke bewegen kann, eine relativ stabile Größe ist, braucht man bei erhöhter Packungszahl auch mehr Mitarbeiter, was wiederum auf höhere Personalkosten hinausläuft. Hasan-Boehme rät daher: "Vorsicht vor der Kostenfalle; Behalten Sie bei steigendem Handverkaufsanteil Ihre Personalkosten besonders im Auge".

Wochenöffnungsstunden als Einflußfaktor

Wie Dr. Jutta Degenhardt berichtete, hat sich die Grundlagenforschung der Treuhand lange bevor die Öffentlichkeit über Ladenöffnungszeiten diskutiert hat, dieses Themas angenommen. Danach können unter bestimmten Umständen Apotheken mit langen Öffnungszeiten ihren Umsatz steigern. Diese Steigerung rührt allerdings in der Regel aus mehr Handverkauf.

Was ist nach Degenhardt also zu beachten? Die Erweiterung der Öffnungszeiten führt nicht automatisch zu einer Umsatzsteigerung. Ein Apothekenleiter muß sich vor Augen führen, daß eine Umsatzausweitung ganz wesentlich vom Standort der Apotheke abhängt. Für Dorfapotheken zum Beispiel stehen die Chancen eher schlecht. Mehrkosten können aber möglicherweise durch eine Flexibilisierung der Arbeitszeiten vermieden werden. Vermeidbare Mehrkosten sollten genau kalkuliert werden. Darüber hinaus sollte der die erhöhten Personalkosten deckende Zusatzumsatz ermittelt werden. Degenhardt rät: "Machen Sie in Absprache mit Ihren Mitarbeitern einen befristeten Testlauf und beurteilen sie dann, ob sich in Ihrem speziellen Fall eine Verlängerung der Öffnungszeiten lohnt."

PZ-Artikel Gisela Stieve, Stuttgart    

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