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Dünne Luft

04.11.1996  00:00 Uhr

-Wirtschaft & Handel

  Govi-Verlag

Dünne Luft
Pharmabörse

  An den internationalen Aktienbörsen machten sich in der letzten Oktoberwoche Ermüdungserscheinungen bemerkbar. Offensichtlich wurde die Luft für die in Gipfelnähe befindlichen Aktienbörsen immer dünner, so daß die Anleger dazu neigten, einen Teil der zuvor angefallenen Kursgewinne zu realisieren. Auch Pharmawerte zeigten sich meist schwächer.

Deutschland
O Als voller Erfolg erwies sich der Börsengang des Pharmahändlers Sanacorp. Denn die zu 35 DM ausgegebenen Aktien handelten in der ersten Börsenwoche im Hoch mit 43 DM.

O Eine Entscheidung über die künftige Struktur von Roussel-Uclaf ist nach den Worten von Finanzchef Daniel Camus bislang noch nicht gefallen. An der Börse wird in diesen Tagen immer wieder darüber spekuliert, daß der Großaktionär Hoechst, der 56,51 Prozent des Roussel-Aktienkapitals hält, eine Übernahme-Offerte abgeben und das Unternehmen dann in die Hoechst-Pharmatochter HMR (Hoechst-Marion-Roussell) eingliedern könnte.

O Fresenius hat von Becton Dickinson deren französische Infusions-Tochter Vial Medical Infusion Systems für einen nicht genannten Betrag erworben. Das französische Unternehmen beschäftigt 120 Mitarbeiter, mit denen im vergangenen Geschäftsjahr 38 Millionen DM Umsatz erzielt wurden.

O Zum Kauf haben die Analysten des Bankhauses Hallbaum, Maier & Co. die Aktie der Fresenius Medical Care empfohlen. In diesem neu entstandenen Unternehmen seien erhebliche Synergie-Effekte zu erwarten.

USA
O Neu-Emissionen, FDA-Zulassungen und weitere Übernahme-Transaktionen bestimmten das Geschehen bei US-Pharmawerten. Der Ausgabepreis der Aktien-Emission von Boston Biomedica wurde vom Brokerhaus Gruss & Sons auf 8, 34 Dollar festgesetzt. Für die Emission im Volumen von lediglich 1,6 Milionen Aktien habe großes Interesse bestanden, hieß es in New York. Der Aktienkurs von Carter Wallace zog deutlich an, nachdem der Milliardär Marvin Davis den Aktionären eine Übernahmeofferte von 18 Dollar je Aktie unterbreitet hatte.

O Keine Überraschung für die Akteure an der New Yorker Börse stellte die Nachricht über den anhaltenden Konzentrationsprozeß bei US-Drugstores dar. Nach der vor kurzem erfolgten Übernahme von Thrifty PayLess durch Rite Aid haben sich jetzt Revco D.S. und der Konkurrent Big B entschlossen zu fusionieren.

O Die FDA hat der Vermarktung einer von HiTech Pharmaceutical Co. produzierten generischen Version des Akne-Medikaments T-Stat-Solution zugestimmt.

O Biomerica darf nach einer entsprechenden Genehmigung der FDA einen Test zur Feststellung möglicher Schilddrüsen-Erkrankungen auf den Markt bringen.

O Bis Ende des kommenden Jahres will Pfizer bei der FDA zumindest vier Anträge auf die Zulassung vielversprechender Medikamente gestellt haben, wie ein Sprecher der Gesellschaft betonte. Dabei soll es sich zum einen um Viagra - einem oral zu verabreichenden Medikament zur Behandlung weiblicher Infertilität und zum anderen um Dofedtilide gegen Herz-Rhythmus-Störungen handeln. Zudem wird daran gedacht, daß Antibiotikum Trovafloxicin sowie das Schizophrenie-Mittel Ziprasidone bei der FDA zur Zulassung vorzulegen.

O Mit dem British Medical Research Council hat Procept eine Vereinbarung abgeschlossen, die die weitere Erforschung eines von Procept entwickelten Gels mit der Bezeichnung PRO 2000 zur Verhinderung von HIV-Infektionen vorsieht.

Sonstige
O Der schwedisch/amerikanische Pharmakonzern Pharmacia & Upjohn geht nach den Worten seines Finanzchefs Bob Salisbury davon aus, im vierten Quartal 1996 wieder an die alte Gewinndynamik anknüpfen zu können. Zuvor hatte die Gesellschaft für das dritte Quartal einen Rückgang des Gewinns je Aktie von 0,44 auf 0,39 Dollar gemeldet. Seit der Fusion der beiden Unternehmen im vergangenen Jahr wurden bei der FDA 14 Anträge auf Zulassung neuer Produkte gestellt, verwies Salisbury auf interessante Forschungsprojekte des Unternehmens.

O Wenn die Aktie von Nycomed an der Börse in Oslo kräftig zulegte, so war dies weniger auf das insgesamt unbefriedigende Zwischenresultat der ersten neun Monate 1996, sondern vielmehr auf die angekündigte Restrukturierung des Konzerns sowie auf anhaltende Übernahmegerüchte zurückzuführen. Nycomed verzeichnete in den ersten drei Quartalen 1996 einen Rückgang des Gewinns vor Steuern von 1,2 auf 0,9 Mrd Milliarden Kronen.

O Gute Chancen für das antibakteriell wirkende Mittel Hygicult sieht Matti Vaheri, Präsident der finnischen Pharmafirma Orion Diagnostica. Er begründet dies unter anderem mit den verschärften Hygiene-Gesetzen sowohl in den USA als auch in Europa. In den USA will Orion dieses Produkt in einer Kooperation mit Neogen vermarkten.

O Frankreichs Sanofi S.A. - zu 52 Prozent in Besitz von Elf Aquitaine - geht nach wie vor davon aus, im Jahr 1996 einen 10 Prozent höheren ausschüttungsfähigen Gewinn als im Vorjahr (1,57 Milliarden Francs) erzielen zu können. In den ersten neun Monaten sind die Umsätze bei Sanofi leicht von 16,7 auf 17,0 Milliarden Francs gestiegen. Die Börse zeigte sich hierrüber enttäuscht.
O Im Rahmen der Analysten-Erwartungen lag das von Zeneca für die ersten neun Monate vorgelegte Ergebnis. Der Umsatz stieg um 14 Prozent auf 4,1 Milliarden Pfund.

PZ-Artikel von Jonas Dowen, New York
   

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