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Eine Branche holt auf

04.09.2000
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-Wirtschaft & HandelGovi-Verlag

BIOTECH-WERTE

Eine Branche holt auf

von Thomas Bellartz, Frankfurt am Main

Bereits seit Wochen lagen viele Investmentstrategen in Lauerstellung, witterten, ob Biotech-Werte die entscheidenden Impulse in den Neuen Markt senden könnten. Die Hoffnungen haben sich erfüllt. Die Biotechnologie gewinnt immer stärker an Fahrt.

Eine kürzlich erschienene Studie der DG Bank, Frankfurt, hatte ergeben, dass die Biotech-Werte die klaren Gewinner des ersten Halbjahres 2000 waren. So legte der Biotech-Branchenindex um deutlich über 100 Prozent zu. Alle Einzeltitel notierten bei Veröffentlichung der Studie über ihrem Emissionspreis.

Die seinerzeit bereits angekündigte Rückkehr privater und institutioneller Anleger in den Neuen Markt scheint sich insbesondere in den vergangenen Tagen fortgesetzt zu haben. Und auch die Biotechnologie-Unternehmen profitierten von dieser Rückbesinnung der Anleger.

Ende August hatte bereits der Vorsitzende der deutschen Industrievereinigung Biotechnologie (DIB), Dieter Wißler, in Frankfurt Optimismus verbreitet. "Deutschland kommt dem Ziel, der führende Standort für Biotechnologie in Europa zu werden, immer näher", konnte Wißler auf das enorme Wachstum der Branche in den vergangenen zwei Jahren verweisen. Die erfolgreichen Börsengänge einiger Biotech-Unternehmen bilden dabei nur die Spitze des Eisberges.

1999 erwirtschafteten rund 280 mittelständische Betriebe mit mehr als 8000 Mitarbeitern nach DIB-Angaben über 1 Milliarde DM. Dabei wurden 640 Millionen DM in die Forschung investiert. Und die zahlen sich bereits aus. Denn 1999 wurden 36 Prozent mehr Patente für Medikamente angemeldet, bei denen biotechnologische Verfahren eine entscheidende Bedeutung haben. Insgesamt registrierte der Verband 176 Anmeldungen. Damit ist Deutschland in Europa Spitze, hat aber noch gegenüber den USA einen gewaltigen Aufholbedarf.

Die Analysten auf dem Börsenparkett trauen den Biotech-Werten noch einiges zu. Sie sollen dem Nemax 50, dem Indix des Neuen Marktes, Treibstoff verschaffen, nachdem zuletzt viele Neuemissionen wenig erfolgreich ihr Börsendebüt gaben. Viele börsennotierte Unternehmen gehen bereits Allianzen ein oder vergrößern sich durch strategisch Zukäufe, wie zuletzt die Evotec Biosystems AG, Hamburg. Die DG Bank AG nennt als Biotech-Unternehmen mit Potenzial die CyBio AG, Jena.

Auch für die Biotechnologie gilt es, aus den Erfahrungen anderer Bereiche zu lehren. Nach den Börsen-Rückschlägen in Segmenten wie Informationstechnologie und Internet-Dienstleistung fordern Experten Unternehmensgründer auf, verstärkt auf Marktnischen und neue Konzepte zu setzen. Das Problem besteht derzeit allerdings darin, dass diese Nischen dem Anleger nur schwer zu verkaufen sind. Überhaupt gilt die Biotechnologie bei den Anlegern als äußerst komplex und schwer zu beurteilen.

Behoben scheinen besonders für Biotech-Gründer die Finanzierungsprobleme. Kapitalgeber warten geradezu auf neue Ideen und junge Unternehmen, deren Börsengänge enorme Renditen versprechen. Doch auch das Risiko hat die Branche nicht verlassen: Denn auch bei den Börsengängen im Bereich der Biotechnologie gilt immer noch, das der erwartet überdurchschnittlichen Kurssteigerung ein nicht minder hohes Risiko gegenüber steht. Angesichts der Komplexität der Branche scheint hier der Rat eines Biotech-Spezialisten gefragt. Und die finden Anleger nicht unbedingt in ihrer Bankfiliale nebenan. Top

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