Pharmazeutische Zeitung online

Vorsteuerabzug bei Privatwohnungen

10.05.2004  00:00 Uhr
Steuertipp

Vorsteuerabzug bei Privatwohnungen

von Klaus-Martin Prang, Hannover

Der Europäische Gerichtshof (EuGH) hat im vergangenen Jahr deutschen Unternehmern eine lohnende Gestaltung eröffnet. Diese Gestaltungsvariante ermöglicht in der Regel einen erheblichen Finanzierungsvorteil für den Unternehmer. Nun hat die Finanzverwaltung Stellung bezogen.

Die Gestaltung funktioniert wie folgt: Ein Apotheker lässt von einem Bauunternehmer ein Einfamilienhaus für sich und seine Familie bauen. Von der Gesamtwohnfläche nutzt er mindestens 10 Prozent als Lagerraum für betriebliche Unterlagen. Der Bauunternehmer stellt dem Apotheker für seine Bauleistungen eine Rechnung, in der er auch die Umsatzsteuer ausweist. Der Apotheker lässt sich die gesamte Umsatzsteuer im Rahmen seiner Umsatzsteuererklärung als Vorsteuer erstatten. Im Gegenzug versteuert er die private Nutzung als unentgeltliche Wertabgabe aus seinem Unternehmen. Da die private Nutzung nur nach und nach versteuert werden muss, der Apotheker aber den Vorsteuerabzug von Anfang an hat, kann sich ein beachtlicher Finanzierungsvorteil ergeben.

Das Bundesfinanzministerium (BMF) hat in einem aktuellen Schreiben die Rechtsprechung des EuGH ausdrücklich anerkannt. Dies gilt unter Umständen auch für Jahre, für die die Umsatzsteuererklärungen bereits abgegeben wurden, die Umsatzsteuerbescheide aber noch geändert werden können. Allerdings vertritt das BMF in einem weiteren Schreiben zur Besteuerung der privaten Nutzung eine Auffassung, die den Vorteil der Gestaltung mindert.

Apotheke mit Wohngeschoss

Ein Bauunternehmer errichtet für einen Apotheker auf dessen Grundstück ein Gebäude. Das Gebäude ist am 1. Januar 2005 bezugsfertig. Im Erdgeschoss wird er ab diesem Zeitpunkt seine Apotheke betreiben. Das Obergeschoss wird er ab Anfang Januar 2005 für eigene Wohnzwecke nutzen. Beide Geschosse sind gleich groß. Im Januar 2005 stellt der Bauunternehmer dem Apotheker eine Million Euro zuzüglich 160.000 Euro gesondert ausgewiesener Umsatzsteuer in Rechnung. Der Apotheker zeigt dem Finanzamt an, dass er das ganze Gebäude seinem Unternehmen zuordnet.

Der Apotheker kann in der Umsatzsteuervoranmeldung für Januar 2005 die vollen 160.000 Euro als Vorsteuern gegenüber dem Finanzamt geltend machen (nach früherer Rechtspraxis nur 80.000 Euro). Gleichzeitig hat er ab Januar 2005 die private Nutzung der Umsatzsteuer zu unterwerfen. Maßgeblich für die Besteuerung sind die dadurch entstehenden Kosten. Nach allgemeiner Auffassung in der steuerrechtlichen Literatur sind als Kosten der Selbstnutzung insbesondere die Abschreibung der Immobilie anzusehen. Bei einer unterstellten Nutzungsdauer des Gebäudes von 50 Jahren beträgt die Abschreibung auf das Obergeschoss jährlich 10.000 Euro (2 Prozent von 500.000 Euro). Daher wäre eine Umsatzsteuer in Höhe von 1600 Euro (16 Prozent von 10.000 Euro Abschreibung) auf die Selbstnutzung abzuführen. Der Apotheker kann somit nach dieser Lösung im Jahr 2005 einen Finanzierungsvorteil von 78.400 Euro im Vergleich zur früheren Rechtspraxis erreichen.

Allerdings will das BMF eine Abschreibung auf die voraussichtliche Nutzungsdauer nicht zulassen. Vielmehr sieht das BMF einen Abschreibungszeitraum von zehn Jahren vor. Im Beispielsfall würden die Kosten für die private Nutzungsbesteuerung im Jahr 2005 nach der Auffassung des BMF 50.000 Euro (10 Prozent von 500.000 Euro) betragen. Die Umsatzsteuer hierauf würde 8000 Euro betragen. Der Finanzierungsvorteil würde sich um 6400 Euro verringern.

Die Auffassung des BMF ist äußerst zweifelhaft und dürfte vor allem auf fiskalischen Erwägungen beruhen. Da die Finanzämter entsprechend dem Schreiben des BMF verfahren werden, bleibt betroffenen Unternehmern nur die Klage vor den Finanzgerichten. Andererseits ist erfreulich, dass die Finanzverwaltung die Gestaltung an sich anerkannt hat.

 

Anschrift des Verfassers:
Dipl. Kfm. Dr. Klaus-Martin Prang, Steuerberater
Treuhand-Hannover GmbH, StBG
Hildesheimer Str. 271
30159 Hannover
steuertipp@treuhand-hannover.de
Top

© 2004 GOVI-Verlag
E-Mail: redaktion@govi.de

Mehr von Avoxa