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Neue Präparate sorgten für Zuwachs

19.04.1999
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-Wirtschaft & HandelGovi-VerlagBOEHRINGER INGELHEIM

Neue Präparate sorgten für Zuwachs

von Erdmuthe Arnold, Frankfurt am Main

Etwa 90 Prozent des Umsatzes des Unternehmensverbands Boehringer Ingelheim wurden 1998 mit dem Humanpharmageschäft erzielt. Dies widerspiegelt deutlich die Umstrukturierung und Konzentration auf das Kerngeschäft, das nach dem Verkauf des Back- und Nahrungsmittel-Geschäfts, des Bereichs Spezialprodukte und Biochemikalen und zu Beginn dieses Jahres des Hydrocerolgeschäft) ausschließlich auf Pharmaka und Chemikalien ausgerichtet ist. 87 Prozent des Umsatzes wurden im Ausland erwirtschaftet.

Das große Interesse der deutschen Pharmaindustrie am US-Markt machten die Ausführungen des Sprechers der Unternehmensleitung, Dr. Heribert Johann, in der Bilanzpressekonferenz am 14. April 1999 in Frankfurt am Main einmal mehr deutlich. Der Umsatz des Ingelheimer Unternehmens stieg dort um 31 Prozent auf 2,6 Milliarden DM und es werden vielfältige Anstrengungen unternommen, ihn auszuweiten, so auch im Bereich Tiergesundheit.

In der Merck-Bilanzpressekonferenz einen Tag später und bei Altana (PZ 13) war ebenfalls zu erfahren, daß in dem nichtregulierten US-Arzneimittelmarkt deutlich bessere Preise zu erzielen sind als etwa im Festbetragsmarkt Deutschlands oder im preiskontrollierten Japan, wie Johann darlegte. 1998 waren folglich gerade in Japan aber auch in Deutschland ein deutlicher Rückgang zu verzeichnen.

Standort Deutschland bereitet Sorge

"Mit großer Sorge" betrachtet Johann die deutsche Politik aufgrund des Ausbleibens wichtiger Reformprojekte. "Eine weitere Verschlechterung der Situation im Gesundheitssektor und der übrigen Rahmenbedingungen wird uns an die Schwelle ganz grundsätzlicher Überlegungen für die Zukunft führen, was das Investitionsverhalten und die Mitarbeiterzahl in Deutschland angeht", so die Äußerung des Managers. Beschäftigt werden hier immerhin 8270 Mitarbeiter. Harsch fiel seine Kritik an dem neuen "Steuerentlastungsgesetz", das die Unternehmensleitung insbesondere angesichts ihrer Investitionsentscheidung über 350 Millionen DM für einen neuen Pharmawirkstoff-Betrieb in Ingelheim "als Hochstapelei und Verhöhnung" empfindet.

In Deutschland bewegte sich das Umsatzniveau im Pharmabereich auf Vorjahreshöhe. Faktisch ging er aber um 18 Prozent auf 1,1 Milliarden DM zurück, bereinigt um den Verkauf der Back- und Nahrungsmittel sowie der Biosysteme. In Japan war der Umsatz um 8 Prozent rückläufig wegen des Konjunktureinbruchs und der "alle zwei Jahre angeordneten Preisreduzierung für verschreibungspflichtige Präparate sowie der drastischen Erhöhung der Patientenzuzahlung", wie Johann sagte. Die Finanzkrise brachte zudem das Rußlandgeschäft zum Erliegen.

Trotz des um 4 Prozent auf 658 Millionen DM rückläufigen Betriebsertrags konnte das Management mittels eines steuermindernden Spezialeffektes das Ergebnis nach Steuern um 8 Prozent auf 447 Millionen DM steigern. Die in Deutschland notwendige Erhöhung der Pensionsrückstellungen aufgrund neuer statistischer Daten zur Lebenserwartung (plus 1,5 Jahre) drückte die Steuerquote auf 32 Prozent.

"Mit alten Arzneimitteln ist kein Geschäft zu machen"

Ausschlaggebend für die positive Entwicklung im Geschäftsgebiet Humanpharma, das um 919 Millionen auf 7,9 Milliarden DM erhöht werden konnte, waren die Neueinführungen von Combivent, Viramune, Mobic und Alna, wie der für den Unternehmensbereich zuständige, stellvertretende Sprecher der Unternehmensleitung, Professor Dr. Rolf Krebs, erläuterte.

Das verschreibungspflichtige Geschäft stieg um 11,6 Prozent auf 6,5 Milliarden DM und das Selbstmedikationsgeschäft, in dem die Phytoproduktlinie mit 29 Prozent das stärkste Geschäftsfeld darstellt, um 11 Prozent auf 1,15 Milliarden DM. Wachstum um 10 Prozent verspricht sich das Management 1999 von der Einführung zehn weiterer verschreibungspflichtiger Präparate. Hinzu kommen 16 Einführungen im Selbstmedikationsmarkt. Geplant sind zudem neue Zulassungsanträge.

In den Hauptindikationsgebieten (Atemwege, Herz/Kreislauf, Zentralnervensystem und Onkologie) befinden sich weitere Entwicklungsprojekte in Arbeit. Geforscht werden soll zusätzlich auf dem Gebiet der HIV-Infektionen und der Wechselwirkung der Gene auf Krankheitsprozesse. Die Erforschung fällt nach der Aussage von Krebs viel komplexer aus als zunächst erwartet und dürfte noch 20 Jahre in Anspruch nehmen. "Viel stärker als in der Vergangenheit", so Krebs abschließend, "hängt die Zukunft von Pharmaunternehmen von ihrer Fähigkeit zur Innovation und kontinuierlichen Erneuerung des Produktportfolios ab. Mit alten Arzneimitteln ist in Deutschland kein Geschäft zu machen." Top

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