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Volldampf

20.01.1997
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-Wirtschaft & Handel

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Volldampf
Pharmabörse

  Die Aktienbörsen erhielten ein weiteres Mal kräftige Zinsimpulse. Inzwischen vertreten immer mehr Beobachter die Meinung, daß den europäischen Notenbanken die dramatische Entwicklung an den Arbeitsmärkten nicht gleichgültig sein kann. Die daraufhin wieder aufflammende Zinsphantasie, die die langfristigen Renditen in Deutschland auf ein Rekordtief absacken ließ, sorgte für neue historische Höchststände. Der unter Volldampf stehende Börsenzug kam auch den Aktien der Pharmabranche zugute.

Deutschland
Die in den Vormonaten favorisierten Aktien der Großchemie werden in den ersten Wochen des neuen Jahres von den Anlegern eher stiefmütterlich behandelt. Ganz offensichtlich wird das Kurspotential von Bayer, BASF und Hoechst bei der Mehrzahl der Börsianer inzwischen als begrenzt angesehen. Mehrere Banken nahmen eine Herabstufung dieser Aktien vor. Die Titel konnten ihre höchsten Kurse meist nicht behaupten.

Die Schering-Aktionäre können sich in den nächsten Jahren auf weitere Dividenden-Anhebungen einstellen, wie Finanzchef Klaus Pohle ankündigte. Für 1997 erwartet er eine einstellige Steigerung der Gewinne. Schering werde über Akquisitionen vor allem im Bereich Krebstherapie weiter wachsen. Wer Schering übernehmen wolle, müsse wohl einen Betrag von 12 bis 15 Milliarden DM zahlen, kommentierte Pohle an den Börsen immer wieder auftauchende Gerüchte einer Übernahme. Der Umsatz mit dem MS-Mittel Betaferon ist nach Firmenangaben 1996 von knapp 400 auf 535 Millionen DM gestiegen. Für 1997 wird mit einem weiteren Anstieg auf 590 Millionen DM gerechnet.

Nachdem Gehe die Übernahmeschlacht um Lloyds Chemists gewonnen hat (siehe PZ 3/97, Seite 26), äußerte sich die Unternehmensleitung positiv zu den voraussichtlichen Auswirkungen dieses Schritts. Chef Dieter Kämmerer erwartet eine 10prozentige Verbesserung des Gewinns vor Steuern als Folge der Lloyds-Übernahme.

USA
An der US-Börse warteten die Investoren mit Spannung auf die von der Pharmabranche vorzulegenden Gewinnausweise für das vierte Quartal und für das Gesamtjahr 1996. Insgesamt erfüllten sich hinsichtlich der Firmen Abbott, Biogen und Pfizer dabei die hochgesteckten Ertragserwartungen der Analysten, die einen durchschnittlichen Anstieg der Quartalsgewinne um rund 19,6 Prozent prognostiziert hatten.

Beachtung fanden an der US-Börse zudem Nachrichten der FDA über die Zulassung neuer Medikamente im vergangenen Jahr. Danach hat die Aufsichtsbehörde 139 neue Arzneimittel zugelassen, was gegenüber dem Vorjahr einer 63prozentigen Steigerung entspricht.

Sonstige
Niederländischen Frauen soll die von Akzo Nobel entwickelte Fruchtbarkeitspille Puregon ab sofort zur Verfügung stehen, hieß es in Arnheim. Sie soll laut Firmenangaben gegenüber dem Konkurrenzprodukt Organon einige wesentliche Vorteile aufweisen Akzo hat darüber hinaus von der britischen Scholl das Hautmittel Septivon erworben.

Finnlands Pharmagroßhändler Oy Tamro berichtet von einem 23prozentigen Anstieg der 1996er Umsätze auf 13,2 Milliarden Finnmark. Das Ergebnis sei vor allem auch durch Vorratskäufe der Schweden im Hinblick auf in 1997 wirksam gewordene neue Regeln im Hinblick auf staatliche Arzneimittelerstattungen positiv beeinflußt worden. Tamro verfügte eigenen Angaben zufolge auf dem finnischen Großhandelsmarkt 1996 über einen Anteil von 63 Prozent.

Die schweizerische Roche Holding hat 1996 den Umsatz um 1,1 Prozent auf 15,96 Milliarden Franken gesteigert. Das Unternehmen zeigte sich optimistisch, auch eine weitere deutliche Zunahme des Konzerngewinns erreicht zu haben. Höhere Umsätze meldet auch Ares-Serono. Weltweit hat das schweizerische Unternehmen den Umsatz um 18 Prozent auf 805 Millionen Dollar gesteigert. Erstmals seit Existenz der Gesellschaft wurde in Nordamerika mit einem Umsatz von 215,6 Millionen Dollar die 200-Millionen-Marke übertroffen.

Die aus der Fusion von Ciba-Geigy und Sandoz hervorgegangene Novartis beabsichtigt die vollständige Übernahme von SyStemix. Den Aktionären der US-Gesellschaft wurde ein Abfindungsangebot von 19,6 Dollar je Aktie unterbreitet. Novartis besitzt derzeit bereits 73,2 Prozent der Stammaktien.

Belgiens Solvay hat die Restrukturierung ihrer deutschen Pharmainteressen angekündigt. Hierzu meldete die deutsche Tochter Einzelheiten. Herausragendes Merkmal ist eine Aufteilung des Vertriebs- und Forschungsbereichs (siehe Druckausgabe Seite 71).

PZ-Artikel von Jonas Dowen, New York
   

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