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Ein Riese wird geboren

17.01.2000  00:00 Uhr

-Wirtschaft & HandelGovi-VerlagPHARMA-FUSIONEN

Ein Riese wird geboren

von Thomas Bellartz, Frankfurt am Main

Der Markt kommt nicht mehr zur Ruhe: Der Ankündigung von Fusionsgesprächen zwischen SmithKline Beecham und Glaxo Wellcome folgte bereits am Montag die Bestätigung: Die beiden britischen Unternehmen fusionieren zum größten Pharmaproduzenten der Welt. Fast gleichzeitig nahmen die beiden amerikanischen Konkurrenten Warner-Lambert und Pfizer Fusionsgespräche auf.

Die mächtige Fusionswelle hat endgültig die Pharmabranche erfasst. Aventis war nur eine Zwischenstation. Mit SmithKline Beecham und Glaxo Wellcome schließen sich zwei ohnehin schon große, weltweit operierende Konzerne zusammen, um im Wettlauf der sich immer stärker global betrachtenden Pharmabranche die Pole Position einzunehmen.

Die beiden Unternehmen sprachen in einer Mitteilung in London von einem "Zusammenschluss der Gleichen". Dies bedeutet nichts anderes, als dass es weder zu schwierigen Verhandlungen, noch zu einer feindlichen Übernahme oder ähnlichem kommt. Die neue Gruppe namens Glaxo SmithKline wird einen Marktwert Wert von rund 360 Milliarden DM (184 Milliarden Euro) haben und eine der größten Aktiengesellschaften Europas sein.

Nach Angaben der Unternehmen werden die Glaxo-Aktionäre 58,75 Prozent der Anteile der neuen Gesellschaft halten. Das neue Unternehmen wird seine Zentrale in London haben, die operative Basis soll jedoch in den USA liegen. Damit wird das Unternehmen den Wettbewerb auch mit dem möglicherweise jenseits des Atlantiks aus Warner-Lambert und Pfizer entstehenden direkten Konkurrenten suchen.

Glaxo SmithKline wird etwa 47 Milliarden DM umsetzen und jährlich 7,6 Milliarden DM für Forschung und Entwicklung ausgeben. Der Weltmarktanteil von Glaxo SmithKline im Pharmabereich werde bei 7,3 Prozent liegen. Der bisherige Chef von SmithKline Beecham, Jean-Pierre Garnier, wird Chef der neuen Gesellschaft.

Glaxo SmithKline beschäftigt derzeit 107.000 Menschen. Das Unternehmen bezeichnete den Verlust von Arbeitsplätzen als "unvermeidbar", wollte jedoch keine Angaben über mögliche Zahlen machen.

Warner-Lambert verhandelt mit Pfizer über Fusion

Das US-Pharmaunternehmen Warner-Lambert hat unterdessen mit seinem Konkurrenten Pfizer Verhandlungen über eine mögliche Fusion aufgenommen. Das teilte die Warner Lambert Company (Morris Plains/New Jersey) mit.

Warner-Lambert war zunächst mit American Home Products (AHP) im Gespräch gewesen, im November 1999 richtete dann Pfizer ein feindliches Übernahmeangebot an Warner-Lambert, das die AHP-Offerte um 9 Milliarden Dollar überstieg.

Die Offerte Pfizers wird gegenwärtig mit 87,81 Dollar je Aktie oder etwa 75,1 Milliarden Dollar bewertet. Das Gebot von American Home Products ist dagegen nur 62,94 Dollar je Aktie oder 53,9 Milliarden Dollar wert.

Warner-Lambert stellt das Präparat Lipitor für die Cholesterin-Behandlung her. Pfizer vertreibt das Produkt und ist zur Hälfte am Gewinn beteiligt. Die Börsen reagierte mit gemischten Gefühlen auf die Ankündigungen der Chefetagen. Top

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