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Zwischen Zurückhaltung und Furcht

25.11.2002
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Medizintechnik

Zwischen Zurückhaltung und Furcht

PZ/dpa  Der Gesamtumsatz der medizintechnischen Industrie in Deutschland ist in den ersten sechs Monaten dieses Jahres im Vergleich zum ersten Halbjahr 2001 um 7,5 Prozent auf rund 5,9 Milliarden Euro gestiegen. Dies teilte das Forum Deutsche Medizintechnik als Zusammenschluss von 300 Unternehmen dieser Branche mit.

Allerdings habe sich an der seit Jahren zu beobachtenden unterschiedlichen Entwicklung im In- und Ausland nichts verändert. Während auf dem Inlandsmarkt eine Steigerungsrate von lediglich 1,6 Prozent auf knapp 2,7 Milliarden Euro zu verzeichnen gewesen sei, hätte der Umsatz im Ausland um fast 13 Prozent auf rund 3,2 Milliarden Euro gesteigert werden können. Der Anteil des Auslandsumsatzes am Gesamtgeschäft werde damit wegen der Einsparungen im deutschen Gesundheitswesen um Jahr für Jahr größer, teilte die Branche mit.

Hauptabnehmer im Export seien die EU-Staaten, die USA und die asiatischen Länder. Anhaltend überdurchschnittliche Export-Steigerungen „allerdings auf relativ niedrigem Niveau“ seien für die Medizintechnik im Geschäft mit Russland und China zu verzeichnen.

Deutliche Umsatzeinbußen befürchten die Hersteller von Labordiagnostika durch das Vorschaltgesetz. Wie Dr. Volker Oeding, Vorsitzender des Verbandes der Diagnostica-Industrie (VDGH) auf der Medica erklärte, werden die Erwartungen vieler Mitgliedsunternehmen nicht erfüllt. Bereits seit 1999 sind laborärztliche Leistungen budgetiert. Damit verbunden ist ein Umsatzeinbruch, von dem sich die Branche bis heute noch nicht erholt hat. Denn Labor-Diagnosemittel werden seit dem von den Ärzten direkt bezahlt. Nach Inkrafttreten des Vorschaltgesetzes und der damit verbundenen Nullrunde bei den Arzthonoraren befürchtet der VDGH nun eine noch rigidere Zurückhaltung von Laboruntersuchungen.

Hoffnung setzen die 75 Mitgliedsunternehmen auf Heimdiagnostica. So können Patienten beispielsweise ihre Teststreifen zur Blutzuckerbestimmung in der Apotheke kaufen. 2002 wird in diesem Markt ein Wachstum von 9 Prozent erwartet. Von der Einführung des DRG-Abrechnungssystems im Krankenhaus erhofft sich der VDGH einen positiven Effekt, denn zur Abrechnung von Fallpauschalen sind umfassende Diagnosen notwendig.

Für 2002 rechnet die Branche mit einem Umsatz von 1,127 Milliarden Euro, immer noch weniger als in 1998. Der damalige Umsatz von 1,177 Milliarden Euro sollte 2003 wieder erreicht werden. Nun sieht Oeding diese Ziele in Gefahr. Angesichts der unklaren politischen Rahmenbedingungen verzichtet der Verbandschef auf eine Prognose.Top

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