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Pfizer beginnt größte Übernahmeschlacht

08.11.1999  00:00 Uhr

-Wirtschaft & HandelGovi-VerlagFUSION

Pfizer beginnt größte Übernahmeschlacht

dpa-Artikel

Nachdem die amerikanische Pharmabranche jahrelang vom Fusionsfieber verschont worden war, tobt nun in den USA eine riesiger Übernahmekampf. Startpunkt war die Bekanntgabe der Fusionspläne von Warner Lambert und American Home Products. Einen Tag später löste der Viagra-Hersteller Pfizer mit einem feindlichen Übernahmeangebot für den US-Konkurrenten Warner-Lambert die größte Börsenschlacht in der Geschichte der Pharmaindustrie.

Pfizer bot am Donnerstag der vergangenen Woche 82,4 Milliarden Dollar (153 Milliarden DM). Warner-Lambert lehnte das Angebot des zweitgrößten US-Pharmakonzerns allerdings ab. Mehrere Warner-Lambert-Aktionäre zogen daraufhin vor Gericht, um dem Pfizer-Angebot eine Chance zu geben.

Die Warner-Lambert Co. (Morris Plains/New Jersey) teilte am frühen Freitag morgen (5. November) mit, sie strebe weiterhin einen gleichberechtigten Zusammenschluss mit der American Home Products (AHP) aus dem benachbarten Madison an. Dies sei auch langfristig im besten Interesse der Aktionäre. Mit der Fusion zur AmericanWarner Inc. entstünde der weltgrößte Hersteller rezeptpflichtiger Arzneien mit 26 Milliarden Dollar Umsatz und 95.000 Mitarbeitern.

In ihrer 72 Milliarden Dollar schweren Fusionsvereinbarung haben AHP und Warner-Lambert eine Schutzklausel gegen feindliche Übernahmen vereinbart. Wenn ein Drittunternehmen einen der beiden Partner vor dem Abschluss der Fusion kaufen sollte, erhält der verschmähte Partner zwei Milliarden Dollar. Pfizer macht sein Angebot an Warner-Lambert von der Streichung dieser "Auflösungsgebühr" abhängig.

Mehrere Warner-Lambert-Aktionäre zogen in Delaware gegen die Fusionspläne vor Gericht. Sie machten nach einem Bericht der Wirtschafts-Nachrichtenagentur Bloomberg geltend, dass der Vorstand die Pflicht habe, bei einer Fusion den besten Preis für die Aktionäre zu erzielen. Pfizer bietet rund zehn Milliarden Dollar mehr als AHP.

Das Angebot der Pfizer Inc. (New York) löste an der Wall Street Spekulationen über eine Konzentrationswelle in der Pharmabranche aus, die ein Volumen von 300 Milliarden Dollar hat. Sämtliche Pharmaaktien verbuchten Gewinne.

Pfizer unterstützt Warner-Lambert bereits beim Vertrieb des Hauptumsatzträgers Lipitor (Atorvastatin). Der CSE-Hemmer wird in diesem Jahr 3,6 Milliarden Dollar Umsatz einbringen; den Gewinn teilen sich beide Konzerne. Analysten geben Lipitor die Chance, das Medikament mit dem weltweit größten Umsatz zu werden. Pfizer setzt mit Viagra rund eine Milliarde Dollar und mit seinem Hauptmedikament Norvasc (Amlodipin) 2,6 Milliarden Dollar pro Jahr um.

Sollte Pfizers Angebot Erfolg haben, wäre AHP bereits zum dritten Mal seit 1998 mit einer Fusion gescheitert. AHP wollte sich bereit mit SmithKline Beecham Plc (London) und dem US-Konzern Monsanto vereinen. Der AHP-Chef John R. Stafford würdigte die geplante Fusion als ideal für Wachstum und Wertgewinne für die Aktionäre.

 

Pfizer

Die Pfizer Inc. (New York) ist der zweitgrößte Pharmakonzern der USA. Pfizer erwirtschaftete 1998 mit 46 400 Mitarbeitern einen Umsatz von 13,54 Milliarden Dollar (damals 24 Milliarden DM). Das Ergebnis nach Steuern betrug 3,35 Milliarden Dollar.

Das Hauptprodukt der Firma ist Norvasc (Amlodipin), ein Mittel gegen Bluthochdruck. Das Medikament steuert aktuell 2,6 Milliarden Dollar zum Umsatz bei. Zu den weiteren Rennern gehört das Potenzmittel Viagra mit knapp einer Milliarde Dollar Umsatz sowie das Antidepressivum Zoloft (Sertralin) und das Antibiotikum Zithromax (Azithromycin). Daneben produziert Pfizer Mittel für die Babypflege, Hygieneartikel und Sonnencreme. Konzernchef William Steere trieb in der Vergangenheit vor allem die Forschung und Entwicklung und Vertrieb aggressiv voran. Für seine Verkaufstruppe heuert er mit Vorliebe ehemalige Soldaten an, da er deren Disziplin schätzt.

 

American Home Products

Die American Home Products Corp. (AHP) ist der fünftgrößte US-Pharmakonzern. Besonders stark ist die Firma aus Madison (New Jersey) im Bereich Impfstoffe. Außerdem bietet AHP zahlreiche rezeptfreie Gesundheitserzeugnisse sowie Produkte für die Landwirtschaft und Tiermedizin an.

Die Gesellschaft hat im vergangenen Jahr 13,5 Milliarden Dollar umgesetzt und 2,5 Milliarden Dollar verdient. Sie beschäftigt 52.000 Mitarbeiter. Für dieses Jahr erwartet das Unternehmen einen Umsatz von fast 14 Milliarden Dollar. American Home Products gibt jährlich 1,8 Milliarden Dollar für die Forschung aus.

In Fusionszwang geriet AHP wegen Problemen mit seinen Diätmitteln. Zwei Diätmedikamente mussten wegen schwerwiegender Gesundheitsprobleme vieler Verbraucher vom Markt gezogen werden.

 

Warner-Lambert

Die Warner-Lambert Co. ist der neuntgrößte US-Pharmakonzern. Neben Medikamenten bietet das Unternehmen aus Morris Plains (New Jersey) rezeptfreie Produkte und Süßwaren an.

1998 setzte Warner-Lambert 10,2 Milliarden Dollar um und verdiente 1,25 Milliarden Dollar. Für dieses Jahr werden gut zwölf Milliarden Dollar Umsatz erwartet. Der Konzern mit 43.000 Mitarbeitern investiert 1999 rund 1,2 Milliarden Dollar in Forschung und Entwicklung. Allerdings hat Warner-Lambert nicht so viele Produkte kurz vor der Marktreife wie American Home Products und ist deshalb ebenfalls an einem Zusammenschluss interessiert.

Der CSE-Hemmer Lipitor (Atorvastatin) machte Warner-Lambert für Interessenten sehr attraktiv, weil es eine starke Ertragssäule ist. Deshalb war der Warner-Lambert-Aktienkurs seit dem vergangenen Jahr massiv gestiegen.Top

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