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40 Jahre Apotheken beraten

25.09.2000  00:00 Uhr

TREUHAND HANNOVER

40 Jahre Apotheken beraten

von Hartmut Morck, Hannover

Im August 1960 wurde der Treuhandgesellschaft Deutscher Apotheken und Pharmazeutischer Betriebe mbH die Zulassung als Steuerberatungsgesellschaft von der Oberfinanzdirektion Hannover erteilt. In den 40 Jahren bis heute hat sich die jetzt als Treuhand Hannover GmbH im Handelsregister eingetragene Steuerberatungsgesellschaft als apothekeneigenes Unternehmen zur Nummer Eins unter den reinen Steuerberatungsgesellschaften in Deutschland entwickelt. Im Gespräch mit der Pharmazeutischen Zeitung nannte der Geschäftsführer, Steuerberater und Diplomvolkswirt Reinhard Garbe, einige Stationen dieser Erfolgsgeschichte und gab eine durchaus positive Einschätzung zur künftigen Entwicklung der Apothekenbranche.

"Angefangen haben wir 1960 mit 40 Mitarbeitern, davon vier Steuerberater, in zwei Niederlassungen. Heute zählt die Treuhand 620 Mitarbeiter in 19 Niederlassungen und acht Regionalbüros. Die Zahl der Steuerberater hat sich auf rund 50 erhöht", so Garbe. Damit sei die Treuhand Hannover GmbH Steuerberatungsgesellschaft, an der zu 74 Prozent der Treuhandverband Deutscher Apotheker e.V. (früher Deutsche Apothekenbuchstelle e.V.) und zu 26 Prozent die Deutsche Apotheker- und Ärzte Bank beteiligt sind, die Nummer Eins unter den reinen Steuerberatungsgesellschaften in Deutschland. Von Anfang an habe sich die Gesellschaft den Leitsatz gegeben, branchenspezifisch zu arbeiten.

"Wir sind der Empfehlung des damaligen Bundesfinanzminister Etzel gefolgt, der im November 1960 das branchenspezifische Arbeiten als Existenzsicherung für die Steuerberater auf deren Jahresversammlung empfohlen hatte." Nur die Kammer sah in dieser Spezialisierung eine unzulässige Werbung, insbesondere in dem damaligen Firmennamen "Treuhandgesellschaft Deutscher Apotheken und Pharmazeutischer Betriebe mbH". Bis zum Bundesverfassungsgericht sei man gegangen, um diesen Namen zu erhalten. Schließlich verlor man 1982 den Prozess und musste die Umbenennung in "Treuhand Hannover GmbH Steuerberatungsgesellschaft" erfolgen.

Das Wachstum der Treuhand spiegelt sich natürlich auch in anderen Zahlen wider. Garbe: "1960 betreuten wir 5 Prozent der circa 8800 Apotheken, damals natürlich nur in den alten Bundesländern. Heute betreuen wir 15 Prozent der rund 21.600 Apotheken im gesamten Bundesgebiet. Dazu kommen etwa 600 Ärzte (1960 waren es 27) und rund 2500 weitere Mandanten. 1960 haben wir noch Rezeptabrechnungen gemacht, die wir Anfang der 70er Jahre an die apothekeneigenen Rechenzentren abgegeben haben. Der Umsatz in dieser Zeit ist von 800.000 DM 1960 auf einen zweistelligen Millionenumsatz gestiegen. Im Jahr 2000 planen wir einen Umsatz von 65 Millionen DM . Nach den bisherigen Zahlen des ersten Halbjahres werden wir dieses Ziel auch erreichen."

Die Umsatzzahlen der Treuhand widerspiegeln auch die Entwicklung der deutschen Apotheke in den letzten 40 Jahren. 1960 hatte eine durchschnittliche Apotheke einen Umsatz von 300.000 DM. 2000 wird die Durchschnitts- Apotheke in den alten Bundesländern einen Umsatz von 2,2 Millionen und in den neuen Bundesländern von 2,7 Millionen DM erreichen. Die Gewinne der Apotheken, so Garbe, haben sich allerdings anders entwickelt. Während 1960 der durchschnittliche Gewinn einer Apotheke bei 20 Prozent des Umsatzes lag, wird er 2000 nach den vorläufigen Berechnungen der Treuhand unter 10 Prozent liegen. Damit stiegen die Einkommen der Apotheker in den 40 Jahren nicht so wie die allgemeinen Einkommen, folgert der Geschäftsführer der Treuhand. Während die Einkommen der Apotheker in 40 Jahren sich nur um den Faktor 2,5 steigern konnten, sind die allgemeinen Einkommen über den Faktor 4 gestiegen.

Den Unternehmenserfolg führt Garbe auch darauf zurück, dass die Treuhand an der Spitze eine Kontinuität gezeigt hat, die in dieser Branche untypisch sei. Alle Geschäftsführer seien langjährig in der Führungsverantwortungen gewesen oder seien es noch: "18 Jahre lang hat Dr. Helmut Beckendorff die Geschäfte der Treuhand geführt. Ich bin seit 1971 Geschäftsführer, mein Kollege Dr. Klaus-Martin Prang, der 16 Jahre dem Unternehmen angehört, ist seit 14 Jahren Mitglied der Geschäftsführung und Frau Ursula Hassan-Boehme, die 25 Jahre im Unternehmen ist, seit zehn Jahren Geschäftsführerin der Treuhand. Auch die Herren Born und Kurth, die 1960 in der Geschäftsführung der Treuhandgesellschaft waren, haben acht beziehungsweise 20 Jahre die Geschickes dieses Unternehmen mitbestimmt."

Die augenblickliche und die zukünftige Entwicklung der Apotheken in Deutschland sieht Reinhard Garbe durchaus positiv. Im ersten Halbjahr 2000 verzeichneten die Apotheken im Westen im Durchschnitt eine Umsatzsteigerung von 3,3 und in den neuen Bundesländern von 2,2, Prozent. Auffällig sei, dass der Anteil der Gesetzlichen Krankenversicherung am Umsatz nur um 0,6 Prozent inklusive der Patientenzuzahlungen gestiegen sei. Das bedeute, dass insbesondere in der Selbstmedikation und bei den Privatrezepten die Steigerungen zu suchen sind. Im Westen könne man einen Anstieg des Handverkaufs um 9,5 und im Osten um 9,6 Prozent beobachten. Damit betrage der Anteil des Handverkaufs am Umsatz im Westen knapp 32 Prozent und im Osten inzwischen 18 Prozent.

Diese Zahlen widersprechen Äußerungen der Krankenkassen und der Politik, die eine exorbitante Steigerung bei den Arzneimittelausgaben beklagen. Garbe: "Solche Aussagen sind nach unseren Zahlen falsch. Der GKV-Umsatz stagniert. Die Mehrausgaben der Krankenkassen im Arzneimittelbereich lassen sich primär auf sinkende Patientenzuzahlungen zurückführen. Sie sind nicht Ausdruck des Marktes, sondern durch die Politik verursacht." Die positive Umsatzentwicklung der Branche lasse sich natürlich nicht auf die einzelne Apotheke herunterbrechen. Nach Berechnungen der Treuhand entwickelten sich im ersten Halbjahr zwei Drittel der Apotheken in den alten Bundesländern positiv, ein Drittel negativ. In den neuen Bundesländern ist das Verhältnis positiv/negativ 60 zu 40.

Die zukünftige Entwicklung der Apotheken sollte, wenn es richtig sei, dass das Gesundheitswesen der zukünftige Wachstumsmarkt ist, nach Meinung Garbes ebenfalls positiv verlaufen. Vorausgesetzt, die Politik lässt es zu, dass die Apotheken an dem Wachstumsmarkt beteiligt werden. In diesem Zusammenhang weist Garbe darauf hin, dass bei anderen freien Berufen, zum Beispiel bei den Steuerberatern, eine Abkehr vom Fremdbesitz stattgefunden habe. Seit 1989 dürfen Steuerberatungs- und Wirtschaftprüfergesellschaften nur von Berufsangehörigen gegründet werden.

Was in dieser Branche möglich ist, sollte den Apothekern als Argumentation gegenüber der Politik helfen, das Fremd- und Mehrbesitzverbot mit Hilfe der Politik zu erhalten. Arzneimittel sind, so Garbe, sensible Wirtschaftgüter, die auch einer sensiblen Behandlung bedürfen und Fremdbesitz vom Prinzip ausschließen.

Garbes Resümee für die Zukunft: "Wenn sich die rechtlichen Rahmenbedingungen nicht gravierend ändern, sollte die Entwicklung der individuellen Apotheke positiv sein. Das bedeutet natürlich nicht für jede Apotheke eine Existenzgarantie. Immerhin haben wir noch rund 6,5 Prozent Apotheken, die einen Umsatz unter einer Millionen DM haben, die weder veräußerbar noch verpachtbar sind, so dass deren Schließung programmiert scheint. Sicher ein langsamer Prozess, der aber auch auf Grund der sinkenden Neugründungszahlen die Gesamtzahl der Apotheken in den nächsten zehn Jahren sinken lässt. Allerdings werden die Apotheken sich in der Beratung weiter rüsten müssen, da der Trend der Selbstmedikation weiter steigen wird und die Beratung für die Kunden und Patienten immer mehr ein Qualitätskriterium wird. Sie wird die Entscheidung, in welche Apotheke gehe ich, bestimmen." Top

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